Geschichte

1945 - Ein Stadion für die Kurstadt
Gegen den Willen der Stadtväter setzt Colonel Paul Rutherford Knight den Bau eines Eisstadions im Kurpark von Bad Nauheim durch. In nur 100 Tagen entsteht das erste Kunsteis-Stadion Hessens.
1946 - Rastenburger Cracks leisten Starthilfe

Hans Unger, Rechtsanwalt in Bad Nauheim und ehemaliger Eishockeyspieler des Rastenburger SV trommelt ehemalige Mitspieler aus Ostpreußen zusammen. Werther, Ulrich, Schmolinga, Bock, Rahrbach, Tessarek , Dr. Weber, Erich Eichler und Roland Hynitzsch bildeten zusammen mit Hans Unger den Grundstock der ersten Nauheimer Mannschaft.

1947 - Die Badestadt greift ein

Auf dem Zooweiher in Frankfurt findet das erste Turnier mit einem Kurstadt-Team statt. Es geht um die Südwest Deutsche Meisterschaft und die Cracks in roten US-Army-Trikots fegen wie die Teufel alles vom Eis. Mit den „Roten Teufel“ ging ein neuer Stern am Deutschen Eishockeyhimmel auf.

1948 - Deutscher Vizemeister VfL

Gleich in der ersten Nachkriegssaison erreicht der VfL Bad Nauheim die Vize-Meisterschaft. Im legendären Heimspiel gegen den großen Kontrahenten und späteren Meister Rießersee platze das Stadion mit über 10.000 Zuschauern aus allen Nähten.

1950 - Nauheimer Spieler in der ersten Mannschaft

Erstmals stehen zwei Bad Nauheimer Eigengewächse im Team des VfL Bad Nauheim. Leo Barczikowski und Helmut Langsdorf sind die Urväter vieler Kurstadt-Jahrgänge, die es bis in die Nationalmannschaft brachten.

1952 - Stadionbrand und 1. Länderspiel

Schock in der Morgenstunde: Das Stadion brennt wegen eines überhitzten Ofens! Und das just in der Nacht bevor das erste Länderspiel gegen die Schweiz stattfinden soll. Feuerwehren aus der ganzen Umgebung retten das Stadion und das Spiel kann trotz der Brandkatastrophe stattfinden.

1958 - Gründung der Bundesliga
Die Oberliga, bisher oberste deutsche Eishockeyliga, wird durch eine „Bundesliga“ ersetzt. Noch bevor der Name im Fußball eine weltweite Marke wird, landet der Deutschen Eissport-Verband mit dem neuen Begriff einen Volltreffer. Allerdings: Der VfL darf (noch) nicht im Elitekreis mitmischen.
1959 - Aufstieg in die Bundesliga

Jetzt ist auch Bad Nauheim wieder im Kreis der Arrivierten! Durch den Gewinn der Zweitliga-Meisterschaft qualifiziert sich die Badestadt sofort wieder für die erste Liga.

1961 - Hessenderby im Ligabetrieb

Die frühen 60er Jahre haben für den VfL nicht die richtige Spielklasse: Zu stark für die zweite Liga, aber noch nicht gut genug um permanent erstklassig zu spielen. Doch kommt es in der Oberliga 1961 erstmals zum heute noch elektrisierenden Hessenderby zwischen Frankfurt und der Badestadt. Beide Ligaspiele gehen eindeutig an die Wetterauer.

1967 - Wiederaufstieg in Deutschlands erste Liga

Neue Stars am Nauheimer Eishockeyhimmel ermöglichen die Rückkehr in die erste Liga, wo man bis zum Ende der VfL-Ära bleiben sollte. Mit Rolf Knihs, Rainer Makatsch, Werner Bachmann, Jürgen Michel vor allem aber Rainer Philipp sind Jungs aus der Badestadt so weit gereift, dass sich die Roten Teufel im Deutschen Oberhaus auf Dauer etablieren können.

1970 - Stadionüberdachung
Was bisher unter freiem Himmel stattfand, bekommt nun eine hochmoderne Eishalle. 1970 entsteht an der Stelle, wo Colonel Knight das Hundert-Tage-Stadion erbauen ließ, das neue überdachte Eisstadion.
1974 - Dritter der Meisterschaft

Ladislav Olejnik formt aus den Roten Teufel ein Spitzenteam. Nauheimer Spieler wie Rainer und Horst Philipp, Pilo Knihs, Werner Bachmann, Ralph und Jürgen Pöpel, Dieter Jehner, Thomas Fauerbach, Rainer Wesener und Hartmut Kessler, ergänzt von einigen „Auswärtigen“ wie Ivan Guryca, Miro Slezak, Werner Kadow, Helmut Keller oder Sture Leksell erringen den dritten Platz in der Meisterschaft. Eine grandiose Leistung!

1978 - Trikotwerbung

Was 1973 mit Jägermeister in der Fußball-Bundesliga begann, setzt sich fünf Jahre später im Eishockey fort. Auch der VfL wirbt erstmals auf seinen Trikots für die Adler Bekleidungswerke aus Haibach bei Aschaffenburg. Aus „Roten Teufeln“ werden „lila Adler“.

1982 - Konkurs des VfL/ Beginn der EC-Ära

Lange schon befürchtet, doch immer wieder abgewendet, schlägt dem Nauheimer Eishockey Verein 1982 das letzte Stündchen. Die Eisportabteilung des VfL muss Konkurs anmelden. Es ist das Ende in der Bundesliga, aber der Beginn einer neuen Ära: Der EC Bad Nauheim startet in der Regionalliga. Sein Ziel: Rückkehr ins deutsche Spitzeneishockey!

1984 - Zurück in der 2. Liga

Der Durchmarsch durch Regional- und Oberliga findet 1984 sein Ende in der zweiten Liga. Hier sind die Roten Teufel, sie nennen sich auch weiterhin so im Untertitel, in ihrer neuen Heimat angekommen und werden in den 80er Jahren zu einem renommierten Zweitliga-Club.

1991 - Mit Teufelslied zum Neuanfang nach Konkurs

1990 ereilt den EC das gleiche Schicksal wie den VfL acht Jahre zuvor: Konkurs! Doch mit vereinten Kräften sichern Konkursverwalter und Vorstand den Fortbestand des Eishockeys in der Kurstadt. Nach einem Jahr in der Oberliga, steigen sie postwendend wieder auf. Ein Ohrwurm, der noch heute im Stadion die Runde macht, begleitet den Aufschwung: „Pilo und die Roten Teufel“ nehmen das Teufelslied „Rote Teufel wir woll‘n heute siegen!“ auf.

1994 - Playoffs und Sonderzug

Nach Überwindung des Konkurses puscht der rührige Vorstand um Raymond Schüttke den EC nach vorne. Erstmals in den Playoffs, fährt der erste Sonderzug der Nauheimer Eishockeygeschichte nach Miesbach. Nach großem Empfang durch Blaskapelle nimmt der EC auch den Sieg mit zurück in die Wetterau.

1995 - DEL-Bewerbung

Wer A sagt muss auch B sagen: Raymond Schüttke wagt eine Bewerbung für die DEL. Bad Nauheim steht kurz davor wieder erstklassig zu spielen, doch dann kehrt der totgeglaubte Krefelder EV zurück in die Eliteliga – das Aus für hochfliegende Nauheimer Träume.

1999 - Der Vizemeister und das CKS
In der zweiten Liga zählt man wieder zur Spitze. Eindrücklich stellt dies das Team 1998/99 zur Schau. Unter Frank Carnevale sind sie lange Zeit Spitzenreiter, bis es zum Eklat zwischen Trainer und Geschäftsführer Jörg Hiemer kommt. Letztendlich wird es „nur“ die Vize-Meisterschaft. Noch im gleichen Jahr wird des Eisstadion in „Colonel Knight Stadion“ umbenannt. Ehre wem Ehre gebührt, denn ohne den amerikanischen Stadtkommandanten gäbe es hier kein Eishockey.
2001 - Erneuter Anlauf zur DEL
Noch einer versucht den EC in die DEL zu hieven: Bernd Koal will mit finanzkräftiger Unterstützung erreichen, was Ray Schüttke versagt blieb. Vier Spielzeiten kämpfen die Roten Teufel um den Aufstieg – er bleibt verwehrt und führt erneut zu einem finanziellen Kollaps.
2004 - Neubeginn in der Regionalliga
Der Neubeginn wird steiniger als gedacht. Zwar steigen die Roten Teufel – nun auch offiziell unter diesem Namen – in die Oberliga auf, doch folgt der Rückfall unmittelbar auf dem Fuße. Kein Geld und erneut zurück in die Regionalliga. Ab 2007/2008 unter neuer Führung und wieder unter dem Namen EC Bad Nauheim gelingt dem EC eine ernsthafte Rückkehr ins Semi-Profi-Lager.
2009 - Drittligist mit Ambitionen
Ab 2009 erreicht der EC regelmäßig die Playoffs der dritten Liga, doch immer wieder scheitert er am kommenden Deutschen Oberliga-Meister. Ambitioniert ist man, auch erfolgreich – aber der entscheidende Coup bleibt Jahr für Jahr aus.
2013 - Oberliga Meister und Gründung der DEL2
Sonntag, der 21. April 2013, ein Tag für die Ewigkeit! Endlich gelingt was man jahrelang versuchte. Der EC siegt im Playoff-Finale in Kassel und steigt endlich wieder in die zweite Liga auf. Auf immer verbunden mit diesem Erfolg sind Namen wie Frank Carnevale, Brad Miller, Thomas Ower, Josiah Anderson oder Chris Stanley. Aber auch Spieler wie Harry Lange, Patrick Strauch, Daniel Ketter, Alex Baum oder Daniel Oppolzer, die noch lange in der 2. Liga für den EC aktiv sind, stehen für dieses Meisterstück. Im gleichen Jahr wird die DEL2 ins Leben gerufen. Der EC ist Gründungsmitglied und erster Spitzenreiter der neuen Liga.
2018 - Etablierter Zweitligist mit Tradition
Seit fünf Jahren spielt die Kurstadt im Konzert der DEL2. Neben drei Playdown-Teilnahmen schlagen auch zwei Playoff-Qualifikationen zu Buche. Zuletzt gab es mit Rang 5 die beste Platzierung seit Wiederaufstieg. Und genau diesen Erfolgsweg wollen die Roten Teufel auch in Zukunft gehen…

Stadion

Das heute 4.500 Zuschauer fassende Stadion wurde im Winter 1945/46 auf Weisung des US-Amerikaners Colonel Paul Rutherford Knight in seiner Funktion als lokaler Befehlshaber der alliierten Streitkräfte am Rande des Kurparks erbaut, um den in der Region stationierten G.I.’s die Gelegenheit zu sportlicher Aktivität in der Freizeit zu bieten. Er setzte sein Vorhaben gegen alle Widerstände, die sowohl in der US-Army als auch bei den deutschen Behörden bestanden, durch, nachdem er die mündliche Zustimmung von General Patton eingeholt hatte. Der Baubeginn wurde auf den 8. Oktober 1945 terminiert. Der Colonel hatte den ehrgeizigen Plan, den Bau in 100 Tagen zu vollenden, um es bereits im Winter 1945/46 für den Eissport nutzen zu können. Als dieser Zeitrahmen in Gefahr geriet, wurden mehr als 50 Häftlinge der Butzbacher Strafanstalt abgeordnet und auch eine regelmäßige Nachtschicht eingeführt.

Aufgrund der immensen Anstrengungen konnte das vorgegebene Ziel schließlich erreicht werden. Die feierliche Eröffnung des Stadions, das über 1.500 Sitz- und 2.500 Stehplätze verfügte und die zu jener Zeit größte Eisfläche Europas (60 Meter lang und 35 Meter breit) beherbergte, fand in den Abendstunden des 22. und 23. Januar 1946 statt. Stargast bei den Eröffnungsfeiern war die Eiskunstläuferin Maxi Herber. Ihr Ehemann Ernst Baier, mit dem sie im Paarlauf mehrfach die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft gewonnen hatte, durfte hingegen nicht auftreten, weil die Amerikaner ihm seine früheren Kontakte zu Joseph Goebbels verübelt hatten.

Wegen der Zeitknappheit und dem gegen Ende der Bauarbeiten eingetretenen großen Frost konnte das Stadion zunächst nur provisorisch fertiggestellt werden – und sollte es auf Jahre bleiben. Denn nur wenige Tage nach der feierlichen Eröffnung hatten sich Knights Feinde in der Army durchgesetzt, ihn seines Postens enthoben und die Einstellung weiterer Bauarbeiten verfügt. Auch die für Anfang Februar 1946 angekündigten Eishockeyspiele wurden abgesagt. Colonel Knight, der während seiner Dienstzeit als Stadtkommandant von Bad Nauheim in dem Haus Nummer 26 an der Kurstraße residiert hatte, lebte nach seiner Absetzung noch etwa vier Wochen lang im Hotel Kaiserhof und sagte in jener Zeit die bedeutsamen Worte: „Die Amerikaner werden eines Tages gehen. Aber das Eisstadion wird der Stadt Bad Nauheim erhalten bleiben.“

2010 wurde das Stadion von der Stadt Bad Nauheim für ca. 2 000.000 Euro am Dach und dem Stadion Gebäude energetisch saniert, da sonst eine Schließung gedroht hätte.

Hall of Fame

Seit September 2014 existiert die Bad Nauheimer “Hall of Fame”, in die verdiente Spieler der Roten Teufel mit ihrem Namen und ihrem Trikot, das unter das Hallendach gehängt wird, so dass kein anderer EC-Profi mit der dazugehörigen Rückennummer mehr auflaufen darf, aufgenommen werden.

Ein unabhängiges Gremium aus Fans, Presse und Vereinen stimmt in unregelmäßigen Abständen darüber ab, welcher ehemalige Akteur die Ehre erhält, diesem exklusiven Club beizuwohnen. Wer alles bereits in der “Hall of Fame” verewigt ist, kann man sich an der entsprechenden Tafel im frei zugänglichen unteren VIP-Bereich oder aber im Stadion anschauen, wo die entsprechenden Trikots in Richtung der Fankurve unter dem Dach hängen.