Porträt von Ladislav Olejnik

Disziplin, Taktik, Technik: Der „harte Hund“ aus Brünn

Ladislav Olejnik kam 1968 während der Dubček-Ära aus der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland. Als Trainer führte „Olli“ den VfL zur besten Bundesliga-Platzierung der Vereinsgeschichte – 1974 als Dritter hinter dem EV Landshut und dem Deutschen Meister Berliner Schlittschuhclub. In Bad Nauheim wurde der spätere Bundestrainer heimisch. Hier wurde er 2020 als erster Trainer in die „Hall of Fame“ des Nauheimer Eishockeys berufen. In der Augsburger „Hall of Fame“, der Ruhmeshalle der deutschen Eishockey-Cracks, ist er ebenfalls vertreten.

Text: Holger Hess
Foto: Wetterauer Zeitung/Nici Merz

Der Blick schweifte wehmütig über die schmucke Tennisanlage des TC Rot-Weiß Bad Nauheim am Kurpark. Bis ins hohe Alter hatte Ladislav Olejnik hier selbst regelmäßig auf dem Platz gestanden, ehe ihn eine langwierige Fußverletzung außer Gefecht setzte. Der 38-fache ČSSR-Nationalspieler, elfmalige Landesmeister und zweifache Europacup-Sieger sowie langjährige Bundesliga-Coach (Bad Tölz, Bad Nauheim, Mannheim, Rosenheim, Frankfurt, Freiburg, Ratingen) und Bundestrainer (1990 bis 1992 im Duo mit Erich Kühnhackl) fand in der mittelhessischen Kleinstadt seinen Lebensmittelpunkt.

Deutscher Vizemeister mit den „Buam“ (1972), viermal beim MERC (1982, 1983, 1985, 1987) und Bundesliga-Dritter mit dem VfL Bad Nauheim – der besten Platzierung in der Vereinsgeschichte der Hessen, mal abgesehen von der Nachkriegs-Vizemeisterschaft 1948, als die Erste Liga unter dem Etikett „Oberliga“ firmierte und noch erheblich weniger Vereine teilnahmen. Überall, wo Olejnik das Zepter schwang, war nachhaltig erfolgsorientierte Arbeit garantiert. Auch wenn ihm als Abonnements-„Vize“ der ganz große Wurf verwehrt blieb – insbesondere in seiner prägenden Mannheimer Ära (acht Jahre).

Olejnik verschmähte handfeste Raufereien (»Das ist total sinnlos«) und verbale Pöbeleien. Stattdessen propagierte er die technisch-versierte »tschechoslowakische Eishockeyschule« mit schnellem Kombinationsspiel. Von seinen Spielern forderte Ladislav Olejnik Disziplin und professionelles Verhalten, was der 1,95 Meter große Asket stets vorlebte. »Doug Berry in Mannheim war für mich als Trainer ein Goldstück«, nennt „Olli“ ein Paradebeispiel.

In seiner Geburtsstadt Brünn reifte Olejnik beim Nachwuchs von SK Královo Pole (im nördlichen Stadtbezirk Königsfeld), später bei Roter Stern bzw. Zetor – der Mannschaft der örtlichen Traktorenfabrik – zum spielstarken Offensivverteidiger. Parallel schaffte das Multitalent den Sprung in die Junioren-Auswahl der tschechoslowakischen Fußball-Nationalelf.

1968, in Zeiten, in denen der kommunistische Generalsekretär Alexander Dubček der mächtigste Politiker in Olejniks Heimat war, lotste der damalige Tölzer Präsident Sepp Niederberger, Vater von Andreas Niederberger, den Eishockey-Enthusiasten aus Brünn nach Oberbayern. Ladislav Olejnik musste alle staatlichen Dokumente inklusive ČSSR-Pass abgeben und übersiedelte offiziell in die Bundesrepublik. Jenseits des Eisernen Vorhangs startete damit eine bemerkenswerte Trainerkarriere.

Von seinen Spielern verlangte „Olli“ viel und scheute keine verbale Konfrontation. Werte wie Pünktlichkeit, Fleiß und Willensstärke setzte er für seine akribisch geprägte Arbeitsweise als selbstverständlich voraus. Das hatte ihm sein Vater, ein Fabrikarbeiter, schon in frühester Jugend eingebläut: »Wenn er sagte: ›Du bist um sechs Uhr zuhause‹, war ich immer ein bisschen früher da«, beschrieb Ladislav Olejnik das strikte Regiment des Familienoberhaupts. »Der Staat hat die Spitzensportler gefördert. Alle Nationalspieler kamen aus den Armee- oder Polizeiclubs.« Sein Talent ermöglichte ihm zahlreiche Auslandsreisen nach Osteuropa, aber auch in den Westen, was in Zeiten des Kalten Krieges nur wenigen Bürgern der Tschechoslowakei vergönnt war.

»Olejnik war der beste Trainer hier in Bad Nauheim. Er hat immer das beste System für die Mannschaft gefunden«, meinte Manfred Müller, der 1973/74 noch für den Berliner SC verteidigte und dem VfL letztlich die Meisterschaft vor der Nase wegschnappte. Mehr als nur am Titel geschnuppert, aber in der Endabrechnung erwiesen sich die fehlenden Punkte aus den direkten Duellen mit den Spree-Athenern (ein Remis, drei Niederlagen) als ausschlaggebend.

Dem 3:3 im ersten Vergleich mit dem BSC folgte im November ein 2:3 in der Eissporthalle im Wedding, dem Übergangsdomizil des Schlittschuhclubs nach dem Abriss des Sportpalasts wenige Tage zuvor. Beim zweiten Gastspiel im Wedding gab es für die Roten Teufel ein unglückliches 4:5, ehe der Showdown am Großen Teich drei Runden vor Schluss mit 0:2 endete. »Da hatten wir riesiges Glück«, erinnerte sich Müller an das (vor)entscheidende Match vor 6000 Zuschauern im Kurpark. Nach 30 Jahren rüstete sich Berlin wieder zu einer Meisterfeier.

Für den VfL und seinen Architekten Ladislav Olejnik war das Saisonresultat dennoch ein toller Erfolg und der Auftakt für den „Bad Nauheimer Eishockey-Sommer“ schlechthin. Erst Bundesliga-Dritter, dann die unvergessliche Reise nach Leningrad und als Krönung der Triumph beim Thurn-und-Taxis-Pokal im Rahmen der Saisonvorbereitung. »Olejnik hatte einen super Namen in Deutschland. Er war ein streitbarer Charakter und harter Hund, der junge Spieler entwickeln konnte. Aus dem vorhandenen Potenzial kitzelte er das Optimale heraus«, urteilte Verteidiger-Urgestein „Tiger“ Müller über den unbestrittenen, teils unbequemen Boss, der immer kerzengerade seinen Weg ging.

Sohn Peter war ebenfalls kurzzeitig im Trikot der Roten Teufel zu finden. Die große Karriere blieb dem Sprössling jedoch verwehrt. Olejnik jr. übersiedelte später in die Vereinigten Staaten von Amerika nach Detroit. Von 1998 bis 2005 trainierte „Olli“ in seiner zweiten Heimat Bad Nauheim noch einmal die Junioren-Mannschaft – und feierte auch mit dem EC-Nachwuchs die Deutsche Vize-Meisterschaft.