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Der EC Bad Nauheim kann Derby – und dies vor allem sonntags: im 19. DEL2-Spiel gegen die Löwen Frankfurt setzte es auch heute wieder einen (den 12.) Sieg, womit das Kreutzer-Team beim 4:3 (2:1, 1:1, 0:1 / 1:0) n.V. in der Eissporthalle am Ratsweg zwei wichtige Zähler im Kampf um die Playoffs einfährt. Dieser Erfolg bedeutet gleichzeitig den achten Sieg aus den letzten neun Partien, mit dem die Kurstädter vorerst gar auf DEL2-Tabellenplatz fünf klettern. Somit konnte das Marathon-Weihnachtsprogramm mit den beiden Siegen gegen den Tabellenersten und -zweiten am Ende mehr als erfolgreich beendet werden, so dass die Weichen in die richtige Richtung gestellt zu sein scheinen. “Derbysiege machen einfach Spaß. Es war heute ein intensives Spiel, in dem wir – wie immer in den letzten Partien – um jeden Millimeter Eis gekämpft haben. Ich zolle meiner Mannschaft höchsten Respekt vor diesen Leistungen, heute hatten wir den Overtime-Sieg mehr als verdient, nachdem wir bereits im letzten Match drauf und dran waren, die Verlängerung zu gewinnen. Mir hat das Spiel Spaß gemacht und auch für die Zuschauer war es sicherlich eine tolle Partie”, so EC-Coach Christof Kreutzer nach dem Schlusspfiff. Sein Gegenüber Matti Tiilikainen sah hingegen ein Löwen-Team, “das zwar alles versucht, was am Ende aber gegen einen starken Gegner nicht gereicht hat.”

Die Gäste traten mit exakt demselben Kader an, mit dem man am Freitag zuhause die Ravensburg Towerstars 6:3 bezwingen konnte. Und die Kurstädter knüpften dort an, wo sie gegen die Oberschwaben aufgehört hatten: man spielte munter und selbstbewusst nach vorne und schien (anders als noch am Freitag) von der ersten Sekunde an hellwach zu sein. Es entwickelte sich somit ein temporeiches – zunächst aber chancenarmes – Hessenderby. Blieb der erste Torschuss durch Reimer zwar den Wetterauern vorbehalten, so ging die (etwas überraschende) 1:0-Führung aber an die Gastgeber: Schüle hielt mit einem Handgelenkschuss einfach mal drauf (ein verlorener Schläger von Dustin Sylvester sorgte zudem für Unordnung), Felix Bick war an alter Wirkungsstätte die Sicht verdeckt, so dass die Löwen in Front gehen konnten (5.). Die Spielanteile waren fortan leicht auf Seiten der Hausherren – allerdings auch bedingt durch die einzige Strafzeit im ersten Abschnitt gegen die Gäste. Waren die Roten Teufel gerade wieder komplett, ging es vor dem Frankfurter Kasten hoch her, als zunächst Kahle aus dem Gewühl und dann auch Cody Sylvester nach einem Konter aussichtsreiche Gelegenheiten auf den Ausgleich hatten (10.). Dieser sollte dann konsequenterweise auch fallen: Slaton hielt von links auf das Gehäuse, das Hartgummi rutschte Löwen-Torhüter Andryukhov durch die Hosenträger und Bires drückte das Spielgerät schließlich zum 1:1 über die Linie (16.). Dem aber noch nicht genug: Bad Nauheim war jetzt bestens im Spiel und kam nach einem brillanten Konter durch den Ex-Löwen Dennis Reimer vor der Pause gar noch zur nicht unverdienten 2:1-Führung (19.).

Die Kurstädter kamen demnach mit Elan zurück auf das Eis und machten einiges an Druck auf den Kasten der Löwen. Es waren aber die Gastgeber, die gleich mit ihrer ersten Chance zum 2:2-Ausgleich kamen, als die Scheibe irgendwie den Weg zu Tousignant fand, der goldrichtig im Slot stand und Bick keine Abwehrmöglichkeit mehr ließ (23.). In der Folgezeit neutralisierten sich beide Teams regelrecht, große Torszenen waren hüben wie drüben jedenfalls nicht zu verzeichnen – das Match lebte von der Spannung und dem Spielstand. Bis zur 32. Spielminute: Bad Nauheim agierte erstmals an diesem Abend in Überzahl und zeigte gleich mal eindrucksvoll – wenn auch unkonventionell – dass man statistisch ligaweit diese Disziplin anführt. Mike Dalhuisen war es nämlich, dessen Schläger beim Schlagschussversuch brach, was für Unordnung vor dem Löwen-Tor sorgte, was wiederum Bires mit seinem zweiten Tor der Partie zur erneuten Bad Nauheimer Führung zu nutzen wusste. Und die Roten Teufel versuchten nachzulegen: Krestan mit einem Konter (33.) sowie Hadraschek mit einem Schuss aus spitzem Winkel (34.) prüften Frankfurts Schlussmann. Erst gegen Ende des Drittels kamen die Mainstädter wieder besser auf, wobei die Gäste Glück hatten, dass nach einem ungeordneten fliegenden Wechsel ihrerseits Tousignant nach einem langen Pass im Abseits stand, sonst wäre der Kanadier frei durch gewesen – so blieb es aber bei der knappen Gäste-Pausenführung nach 40 Spielminuten.

Im letzten Abschnitt zeigten die Kurstädter das, was sie in den letzten Wochen so stark gemacht hatte: man verteidigte die Führung und stand hinten überaus sicher, was Frankfurt einiges an Problemen bereitete. Man wartete geduldig auf die sich ergebenden Konter, bei denen Dustin Sylvester in der 47. Minute die größte Möglichkeit hatte, doch sein Alleingang verfehlte knapp das Tor. Dalhuisen und auch Kahle (47.) setzten nach, Frankfurt stemmte sich gegen die Zwei-Tore-Führung der Bad Nauheimer (“Hier hätten wir vielleicht sogar höher führen müssen”, so Christof Kreutzer später). Mitten in diese Szenen dann doch der 3:3-Ausgleich: die Löwen agierten dieses eine Mal konzentriert nach vorne und kamen durch Eisenmenger und einem Rückhandschuss durch die Schoner von Bick zum Treffer. Beide Teams einigten sich anschließend mehr oder minder auf das Unentschieden, auch wenn Krestan im Powerplay kurz vor dem Schlusspfiff noch einmal eine gute Chance zu verzeichnen hatte. Es ging jedoch wie beim letzten Spiel der beiden Gegner in die Overtime, die an Spannung kaum zu überbieten war, denn alle Akteure spielten voll auf Tor und somit auf Sieg. Felix Bick musste einige Male eingreifen, aber auch sein Pendant bekam genügend zu tun in diesen fünf Minuten. Dachten die Fans sicherlich bereits an das Penaltyschießen, da hauten die Gäste nochmal einen raus und hatten mit Bires nach einem Konter bereits den Zusatzpunkt auf dem Schläger – Frankfurts Goalie hielt die Scheibe irgendwie. Doch schon im nächsten Angriff war er schließlich geschlagen, als Cody Sylvester das Hartgummi unter die Latte zum 4:3-Endstand setzte und damit die Sonntagsserie von acht Siegen in neun DEL2-Partien gegen die Löwen fortsetzte, was gleichzeitig das dritte gleichlautende Resultat der laufenden Saison zwischen den beiden Nachbarn bedeutet. “Dennoch müssen wir jetzt realistisch bleiben. Die Playoffs sind nach wie vor das Ziel – egal wie wir diese erreichen. Aber mit den Fans im Rücken ist es momentan so, als hätten wir einen Mann mehr auf dem Eis. So kann und so soll es gerne weitergehen”, so Christof Kreutzer nach dem anstrengenden Weihnachts-Programm.

Löwen Frankfurt – EC Bad Nauheim 3:4 n.V. (1:2, 1:1, 1:0)
Tore:
1:0 (04:04) Schüle (Eisenmenger, Lewandowski)
1:1 (15:56) Bires (D. Sylvester, Slaton)
1:2 (18:16) Reimer (Hadraschek, Brandl)
2:2 (22:46) Tousignant (Kerälä, Mitchell)
2:3 (31:19) Bires (Dalhuisen, Brandl) PP1
3:3 (48:46) Eisenmenger (Meisinger, Lewandowski)
3:4 (64:34) C. Sylvester (D. Sylvester, Dalhuisen)
Strafminuten: LFF 4 / ECN 2
Zuschauer: 6.770 (ausverkauft)