Jan. 30, 2026 | APP, News

3:2 nach Penaltyschießen – Faustdicke Überraschung gegen den Spitzenreiter

„Heja, Heja, ECN.“ Mit dem achten Penalty hat Parker Bowles am Freitagabend die faustdicke Überraschung perfekt gemacht. Mit 3:2 (0:0, 1:0, 1:2 – 1:0) nach Penaltyschießen schlug der EC Bad Nauheim den souveränen DEL2-Tabellenführer aus Krefeld und beendete die elf Spiele andauernde Siegesserie der Pinguine. Nach einer turbulenten Woche mit der Trennung von Trainer Peter Russell feierte Mate Arany eine erfolgreiche Premiere als Head Coach. Philipp Bidoul und Sebastian Bengtsson hatten in der regulären Spielzeit für die zwischenzeitliche 2:0-Führung gesorgt.

Bei der Pressekonferenz entschuldigte sich Krefelds Trainer Thomas Popiesch für sein Fehlverhalten zu Beginn des hitzigen Schlussdurchgangs, das ihm eine Spieldauerdisziplinarstrafe einbrachte: „Wir haben im ersten Drittel sehr gut gespielt und versäumt, die Tore zu machen. Im zweiten Drittel hat Bad Nauheim die Momente bekommen, die sie zuhause haben wollen. Wenn Trainer und Spieler schlechte Entscheidungen treffen, dann geht so ein Spiel auch mal verloren. Fehler passieren. Ich entschuldige mich dafür bei unserer Mannschaft und unserer Organisation. Die dritte Partei war heute äußerst schwach.“

Mate Arany resümierte: „Das war heute sehr hart, aber die Spieler haben unglaublichen Charakter gezeigt. Vor allem im ersten Drittel hat es uns Krefeld extrem schwer gemacht. Wir hatten dann im zweiten Drittel das Momentum auf unserer Seite. Unsere Defensive war sehr gut, Jerry Kuhn hat tadellos gehalten. Wir sind sehr glücklich. Vor allem nach dieser Woche.“

Ohne die Verletzten Taylor Vause, Justin MacPherson, Sebastian Cimmerman, Rik Gaidel und Patrick Seifert liefen die Kurstädter gegen den großen Favoriten auf. Andrej Bires signalisierte grünes Licht und rückte als Center zwischen Parker Bowles und Julian Lautenschlager. Die Pinguine traten nur mit einer Änderung im Vergleich zum 5:3-Erfolg in Bietigheim an. Erik Buschmann ersetzte in der Verteidigung Oliver Mebus.

Die ersten Gelegenheiten boten sich den Gelb-Schwarzen durch Jon Matsumoto und Roope Mäkitalo, die an Jerry Kuhn im EC-Kasten scheiterten. 0:7 Torschüsse nach acht Minuten ließen erahnen, wieviel Arbeit auf die Nauheimer Defensive zukommen sollte. Angriff auf Angriff rollte auf Kuhn zu, aber das Abwehrbollwerk hielt. Die Roten Teufel versuchten ihr Glück mit Nadelstichen – und plötzlich lag der Puck auch im KEV-Netz, doch der vermeintliche Torschütze Parker Bowles stand im Abseits. Bei einem Schussverhältnis von 4:17 ging es mit dem torlosen Remis in die Kabinen.

Unverändertes Bild zu Beginn des Mittelabschnitts. Die Westdeutschen nisteten sich im EC-Drittel ein, ließen die Scheibe flüssig zirkulieren, Bad Nauheim störte hartnäckig und spätestens bei Kuhn war Endstation. Nach einer starken Kombination über Bowles, Lautenschlager und Bires jubelten die Zuschauer schon, aber der Videobeweis ergab, dass der Puck die Linie nicht vollständig überquert hatte (26.).

Die Gastgeber gestalteten das Match nun ausgeglichener. Nachdem Mäkitalo eine kapitale Chance ausgelassen hatte, feuerte Förderlizenz-Verteidiger Philipp Bidoul beherzt in die Maschen des früheren EC-Keepers Felix Bick – die überraschende Führung (29.) für den Underdog war perfekt. Die Kurstädter tankten Selbstvertrauen. Zweimal Sebastian Bengtsson und Bowles hatten das 2:0 auf dem Schläger.

Spektakuläres bot die 34. Minute: Erst krachte Marius Erks Blueliner an den Pfosten, im Gegenzug stoppte Kuhn Krefelds „Goldhelm“ Max Newton mit einem tollen Reflex und verhinderte den Ausgleich. Die Rot-Weißen lieferten eine couragierte Vorstellung, Krefeld wackelte, überstand eine Unterzahl ohne Gegentor. Vor der Sirene sprachen die Unparteiischen eine zweifelhafte Strafe gegen Bires aus, so dass die Seidenstädter (vermeintlich) mit einem Powerplay ins dritte Drittel starten sollten.

Weil der Ex-DEL-Club zu spät aufs Eis zurückkehrte, verhängten die Referees zunächst eine Strafe wegen Spielverzögerung und obendrauf eine Spieldauerdisziplinarstrafe gegen den reklamierenden Trainer Thomas Popiesch, der die Mannschaftsbank verlassen musste. Wunderbar herausgespielt war das 2:0 durch Bengtsson, dem Davis Koch und Christopher Fischer assistierten. Das Stadion kochte, die Atmosphäre auf der Eisfläche wurde immer hitziger.

Als der EC mit einem Feldspieler mehr agierte, hofften die Fans auf den dritten Streich. Doch der Deutsche Meister von 2003 profitierte von einem Turnover und Payerl verkürzte eiskalt per Shorthander (44.). Krefeld erhöhte den Druck, Bad Nauheim wehrte sich nach Kräften. Kuhn entschärfte ein Matsumoto-Solo, war dann jedoch machtlos beim 2:2-Ausgleichtreffer von Mick Köhler (58.), den Ex-Nationalspieler Gogulla glänzend vorbereitete.

In der Overtime lag der Lucky Punch auf dem Schläger von Fischer. Bick parierte überragend. Genau wie gegen Bowles und im Nachschuss gegen Bires. Dann traf Hickmott den Pfosten, Riesenpech für die Roten Teufel, für die im direkten Gegenzug Kuhn mit einem erneuten Monster-Save klärte. Die letzten 75 Sekunden spielten die Rot-Weißen in Unterzahl und retteten sich leidenschaftlich und unter Szenenapplaus ins Penaltyschießen, in dem Bowles zum Matchwinner avancierte.

EC Bad Nauheim: Kuhn – Erk, Fischer, Gnyp, Pruden, Tippmann, Bidoul, Kölsch – Bengtsson, Koch, Hickmott, Bowles, Bires, Lautenschlager, Ribarik, Kaiser, Volek, Jakovlev, El-Sayed.

Trainer:
 Mate Arany.

Krefeld Pinguine:
 Bick – Korus, Vandane, Köhler, Dybowski, Buschmann, Konze – Gogulla, Newton, Santos, Müller, Matsumoto, Bruch, Weiß, Payerl, Nijenhuis, Mäkitalo, Zengerle, Schütz.

Trainer: Thomas Popiesch.

Tore:

1:0 (28:23) Bidoul (Volek, Koch)

2:0 (42:43) Bengtsson (Koch, Fischer)

2:1 (43:56) Payerl (Dybowski, Bruch – SH1)

2:2 (57:19) Köhler (Gogulla)

3:2 Bowles (Penalty)

Schiedsrichter: Todam/Kannengießer – Linienrichter: Borger/Treitl.

Strafminuten: Bad Nauheim 8, Krefeld 12 (plus Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Trainer Thomas Popiesch).

Schüsse: 29:52.

Zuschauer: 2477.

So hat unser Medienpartner, die Wetterauer Zeitung, das Spiel gesehen.

Fotos: Chuc.de

Hier kommen einige Impressionen vom Spiel: