Sommerinterview mit Garret Pruden: „Ich erwarte die beste DEL2, die es je gab“
Hinter den Roten Teufeln und Garret Pruden liegt eine wechselhafte Saison mit Ups and Downs. Der 26-jährige Verteidiger ist ein EC-Eigengewächs und im letzten Frühjahr nach fünfjähriger Wanderschaft und Stationen in Ingolstadt, Kaufbeuren, Freiburg, Rosenheim, Bayreuth und Dresden nach Bad Nauheim zurückgekehrt. Die Eishockey-Gene hat ihm sein Vater Greg Pruden in die Wiege gelegt, der in den 80er- und 90er-Jahren als Profi in der Kurstadt spielte und heute in Kalifornien lebt. Im Sommerinterview verrät uns der Rechtsschütze, warum er die beste DEL2 erwartet, die es je gab, was ihn optimistisch stimmt und wie klassische Paulaner-Biergarten-Gespräche mit Papa Greg ablaufen.
Garret, Du bist wieder zurück in Deiner Geburtsstadt. Wie bewertest Du im Rückblick die letzte Saison – persönlich und auf das ganze Team bezogen?
Individuell erwischte ich einen Superstart und habe den Goldhelm getragen. Dann folgte eine Zwei- oder Drei-Spiele-Sperre und ich verlor bis Weihnachten den Faden. Ich habe probiert mich wieder heran zu kämpfen. Insgesamt war es für unsere Mannschaft eine durchwachsene Saison. Am Anfang ist vieles liegen geblieben, was im Nachhinein mühsam aufgearbeitet werden musste. Wir sind noch glücklich in die Pre-Playoffs rein gerutscht. Es fehlte die Konstanz. Wenn wir in der ersten Phase nicht so viel ungenutzt gelassen hätten, wären wir vielleicht noch näher an die Top-Sechs herangerückt.
Was macht Dich zuversichtlich, dass der EC eine erfolgreiche Runde spielt?
Der EC hatte jetzt zwei nicht so gute Jahre. Manchmal muss man zwei Schritte zurück gehen, um danach wieder drei nach vorne zu kommen. Zuversichtlich macht mich der Trainer, der für die DEL2 einen Erfolgsgaranten widerspiegelt. Peter Russell hat es in Freiburg gezeigt und in Ravensburg. Er wird es sicherlich auch in Bad Nauheim beweisen. Der Kern der Mannschaft ist geblieben. Einzelne Puzzleteile wurden ersetzt. Das Team hält zusammen und ich blicke optimistisch voraus.
Was müssen die Roten Teufel verändern, um von Beginn an in einer starken DEL2 eine gute Rolle zu spielen?
Ganz klar, dass wir vom Start weg eine Handschrift erkennen lassen, dass wir mit Unterstützung der Fans erfolgreich sein wollen und die Erwartungen auch erfüllen. Letztes Jahr gab es zu viele Fragezeichen, zu viele Zweifel, zu viele Grauzonen.
Die Düsseldorfer EG und Bietigheim ersetzen Dresden und Selb. Wie schätzt Du die neue Zusammensetzung der Zweiten Liga ein?
Stärker denn je. Wir haben zwei traditionsreiche Ex-DEL-Klubs in der Zweiten Liga. Es gibt viel mehr Aufstiegskandidaten. Fünf oder sechs Clubs sind schon Top-Anwärter für die DEL. Danach ist alles drin, es wird ein harter Fight um die Playoff-Spots. Jeder kann jeden schlagen, man bekommt nichts geschenkt. Wir wissen, wie schnell man in den Tabellenkeller rein rutschen kann und müssen sofort ready sein. Ich glaube, es wird die beste DEL2, die es bisher gab.
Für Ingolstadt bist Du 36-mal in der DEL aufgelaufen, in der DEL2 summiert sich die Zahl auf 288 Einsätze. Was nimmst Du Dir persönlich für die anstehende Runde vor
Von Anfang bis Ende konstante Leistungen abzurufen, große Schwankungen zu vermeiden. Ich versuche, eine gewisse Souveränität auszustrahlen, die in jeder Sekunde vertrauenswürdig ist – egal in welcher Zone auf dem Eis. So wie eine klassische Versicherung, die immer greift. Wie gesagt, Konstanz ist sehr wichtig, ohne große Ausschläge nach unten.
Wie charakterisierst Du Deine Spielweise, was sind Deine Stärken, wo siehst Du Verbesserungspotenzial?
Den Spielstil könnte man mit ‚Hybrid‘ beschreiben: Defensiv denkend, aber als Zwei-Wege-Verteidiger. Stärken sind generell meine Spielübersicht, Spielverständnis und das Schlittschuhlaufen. Zu verbessern wären sicherlich die offensiven Aktionen, dass einfach mehr Kapital daraus geschlagen werden kann und das angesprochene Thema der Konstanz über die 52 Hauptrundenspiele und weiter.
Dein Vater, Greg Pruden, stand in den achtziger und neunziger Jahren in Bad Nauheim unter Vertrag. Er lebt heute in San Diego. Wie oft chattet Ihr via FaceTime?
Im Sommer weniger. Dadurch, dass wir eine Tochter haben, ist man mehr im Alltag gebunden. Manchmal ist man froh, wenn man abends eine halbe Stunde für sich hat, um den Tag Revue passieren zu lassen. Während der Saison chatten wir häufiger, meistens direkt nach den Spielen. Er schaut sich fast alle Matches an. Wir machen einen Recap von gewissen Situationen: Was war gut, was hätte besser sein können, wie ist seine Einschätzung. Manchmal verläuft es so wie in einer klassischen Paulaner-Biergarten-Besprechung.
Der frühere EC-Verteidiger und -Trainer Craig Topolnisky ist Dein Patenonkel. Er wohnt in Essen. Tauschst Du Dich auch mit ihm regelmäßig über das aktuelle Eishockey-Geschehen aus?
Wir stehen regelmäßig in Kontakt, je nachdem, was er gerade auf der Agenda hat und wie es bei mir zeitlich aussieht. Hauptsächlich via Telefon. Wir tauschen uns über aktuelle Dinge aus und geben uns gegenseitig Updates.
Welchen der EC-Neuzugänge kennst Du schon näher?
Von allen Neuen kenne ich Simon Gnyp am besten. Wir haben in Köln in der DNL zusammengespielt und in Bayreuth drei Monate miteinander verbracht. Auf Simon freue ich mich.
Auf welchem Tabellenplatz steht der EC nach der Hauptrunde?
Schwere Frage. Kassel, Krefeld, Düsseldorf, Ravensburg, eventuell Rosenheim und Landshut – das sind die Aspiranten für oben. Ich sage: Platz sechs oder sieben.
Garret, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Dir eine erfolgreiche Saison mit unseren Roten Teufeln.
Auf unserem Bild zu sehen: Garret und seine Partnerin Sarah bei einer Familienfeier.