Aug. 3, 2025 | APP, News

Taylor Vause im Interview: “Ich gehe an Grenzen“

„The Wizard“ geht in seine fünfte Saison bei den Roten Teufeln. Taylor Vause ist Spielmacher, Torjäger, kreativer Kopf. Der Mittelstürmer hat den Großteil des Sommers mit der Familie in unserer herrlichen Kurstadt verbracht und bereitet sich intensiv auf die nächste Spielzeit im rot-weißen Dress vor. Wir haben uns zum Abschluss unserer Sommerinterview-Reihe mit dem sympathischen Kanadier unterhalten.

Kurz vor dem Vorbereitungsstart mit den Roten Teufeln spricht der Rechtsschütze aus Calgary über den harten Weg zurück nach seiner schweren Knieverletzung, von wem er die ersten Schlittschuhe für Sohn Archer abkaufen will, was ihm Andrew MacWilliam beim Mittagessen über Peter Russell berichtet hat und wofür er der Philadelphia Flyers-Legende Bobby Clarke und Stanley Cup-Sieger Nick Boynton noch heute besonders dankbar ist.

Taylor, schön, Dich zu treffen. Wie geht es Dir und Deiner Familie?
Danke der Nachfrage. Uns geht es gut. Wir genießen unseren ersten gemeinsamen Sommer als Familie. Es waren sehr schöne Monate, auch wenn die Zeit gefühlt unheimlich schnell verflogen ist.

 

Dein Sohn Archer ist jetzt fast ein Jahr jung. Hat er schon seine ersten Schlittschuhe?
Archer feiert in den kommenden Tagen seinen ersten Geburtstag. Nein, Schlittschuhe hat er noch nicht, aber ich habe im Trainerbüro von Marc (Vorderbrüggen) ein superkleines Paar Skates gesehen, die sein Sohn letztes Jahr nutzte. Die kaufe ich ihm vor dem nächsten Winter ab.

 

Schaltest Du im Sommer auch mal vom Eishockey ab und wo hast Du Deinen Urlaub verbracht?
Durch das frühe Ausscheiden in den Pre-Playoffs hatten wir eine lange Pause. In gewisser Weise ist es für den Kopf gut, auch mal vom Hockey abzuschalten. Als diese kurze Phase vorbei war, habe ich die NHL-Playoffs verfolgt und mein individuelles Trainingsprogramm durchgeführt. Den Urlaub haben wir bei der Familie meiner Frau in Österreich und in meiner Heimat in Kanada verbracht.

 

Wir treffen Dich direkt nach einer Kraft- und Sprint-Einheit. Wie läuft das Trockentraining?
Ich bin zufrieden. Das Trockentraining ist eigentlich wieder so wie in vielen Jahren zuvor. Mein Programm ziehe ich konsequent durch und verfolge meinen Plan. Der letzte Sommer war komplett anders. Da lag die volle Konzentration auf der Rehabilitation nach der schweren Verletzung.

 

Nach Deinem Kreuzbandriss im Dezember 2023 und langen 315 Tagen ohne Wettkampf hast Du im vergangenen Oktober Dein Comeback gefeiert – gleich mit einem Tor. Gegen Ende der letzten Saison bist Du immer besser in Schwung gekommen. Bei wie viel Prozent – gemessen an der Leistungsfähigkeit vor der schweren Verletzung – bist Du wieder angelangt?
Die Reha war ein sehr langer Prozess, viel harte Arbeit, viele Übungen, viel Schmerz. Nach meiner Rückkehr aufs Eis war die Erleichterung spürbar und dieses Tor hat mich vielleicht ein bisschen durch die ersten Spiele getragen. Ich war aber definitiv noch nicht auf dem Niveau, auf dem ich sein wollte. Der Fokus lag auf dem Knie und ich musste die Geschwindigkeit zurückgewinnen und einfach – nach zehnmonatiger Pause – wieder den Rhythmus finden. Es ist schwer, das in Prozentpunkten zu bewerten. Über den Sommer hinweg habe ich mich intensiv vorbereitet und freue mich, bald mit dem Trainingslager in Frankfurt zu beginnen und zu sehen, wie es sich auf dem Eis anfühlt. Ich gehe an Grenzen, um mein vorheriges Level zu erreichen oder es sogar zu übertreffen.

 

Neben Dir haben mit Jordan Hickmott und Parker Bowles drei der vier Import-Cracks neue Verträge unterschrieben. Tim Coffman hat den Verein verlassen. Was hat am meisten Spaß gemacht als zeitweiliger Reihenkollege von Coffman, der drei herausragende Spielzeiten beim EC absolvierte? 
Tim war ein eminent wichtiger Teil unserer Offensive. In seiner ersten Saison hatte er einen riesengroßen Anteil an unserem Lauf, der uns bis ins Finale brachte. Seine gelassene Art und Weise hat perfekt zum Team gepasst. In der Kabine meldete er sich zu Wort, wenn die Dinge nicht in die richtige Richtung gelaufen sind. Ein lustiger Typ mit einer guten Mentalität. Es hat viel Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuspielen. Ich wünsche ihm alles Gute bei seinem neuen Club Zell am See in Österreich.

 

Der vierte Kontingent-Profi ist diesmal ein Verteidiger – Neuzugang Justin MacPherson. Kennst Du ihn?
Nein, nicht persönlich. Ich habe bei eliteprospects seinen bisherigen Werdegang nachgeschaut und gehört, dass er ein wirklich netter Kerl sein soll, der sich hier beweisen will. Vorher waren unsere Imports Stürmer. Jetzt kommt ein junger Verteidiger und ich bin gespannt, wie sich die Dynamik unseres Teams verändern wird. In Bad Nauheim können sich für Justin neue Möglichkeiten für den Karriereweg eröffnen.

 

Wie bewertest Du den neu formierten EC-Kader?
Auf dem Papier gibt es definitiv einige große Veränderungen. Bewährte Spieler sind geblieben, aber wir bekommen auch frisches Blut ins Team. Ich freue mich, die neuen Jungs kennenzulernen und ein Teil dieser neuen Gruppe zu sein. Bevor man Prognosen und Einschätzungen abgibt, sollten wir erstmal die Vorbereitung und die Testspiele abwarten.

 

Mit Peter Russell kommt ein Trainer mit hoher Reputation. Inwieweit hast Du Dich bereits mit ihm ausgetauscht?
Wir haben uns zufällig getroffen, als Peter vor ein paar Wochen zum Kurzbesuch in Bad Nauheim weilte. Die Zeit war zu knapp, um uns länger auszutauschen. Das machen wir, sobald das Trainingslager beginnt. Er ist ein Trainer, der weiß, wie man gewinnt. Leider war er ja im DEL2-Finale 2023 auch gegen uns erfolgreich.

 

Andrew MacWilliam, einer Deiner Freunde aus Kindheitstagen, trug zuletzt unter Peter Russell das Trikot der Cardiff Devils. Was hat er Dir über den neuen Coach berichtet?
Wir wohnten in unserer Jugendzeit in der gleichen Straße. Der Dritte im Bunde aus unserer damaligen Gruppe, mit der wir im Winter Tag und Nacht Hockey spielten und der heute ebenfalls noch Profi ist, war Ben Lake. Er ist Stürmer bei den Belfast Giants und britischer Nationalspieler. Beide hatten Peter Russell schon als Coach. Im Urlaub habe ich mich mit Andrew in Calgary zum Mittagessen getroffen. Er sagte, dass für Peter eine positive Einstellung und Spaß an der Arbeit wichtig seien und er sein Spielsystem klar kommuniziere.

 

Wie schätzt Du die Qualität der DEL2 2025/26 ein und welche Rolle kann der EC Bad Nauheim spielen?
Die Liga wird immer besser und entwickelt sich weiter. Ich denke, die Umsetzung des Auf- und Abstiegs treibt die Clubs zusätzlich an. Das Qualitätslevel steigt. Wir können eine spannende und unterhaltsame Runde erwarten. Unser Ziel sind die Playoffs. Dann ist alles möglich.

 

Du stehst für Kontinuität: Fünf Spielzeiten bei den Vienna Capitals in Österreich, jetzt folgt Deine fünfte Saison in Bad Nauheim – für einen Eishockeyprofi ein eher seltenes Profil. Ist das Zufall?
Für einen Profi sind im allgemeinen Einjahresverträge die Regel. Über einen Zweijahresvertrag kann man sehr froh sein. Ich hatte das Glück bei Clubs zu sein, die meinen Kontrakt verlängern wollten – in guten wie in schlechteren Zeiten. Wenn man länger an einem Ort ist, können positive Beziehungen wachsen und belastbare Verbindungen zu den Fans entstehen. Bad Nauheim ist unser Zuhause, nicht nur während der Saison, sondern auch für den Großteil des Sommers.

 

Im Alter von 17 Jahren wurdest Du mit der Diagnose Diabetes konfrontiert. Bobby Clarke, eine Legende der Philadelphia Flyers, hat Dir damals Mut zugesprochen. Er war einer der ersten Athleten, die es trotz dieses Handicaps ganz nach oben schafften. Was gibst Du jungen Sportlern mit auf den Weg, die an dieser Form der Stoffwechselerkrankung leiden?
Mein erster Gedanke war damals: Kann ich weiter Hockey spielen? Ja, es war eine große Motivation für mich, dass sich ein Idol wie Bobby Clarke meldete und mir Mut machte. Es ist unglaublich, was er geleistet hat. Zu seiner aktiven Zeit waren die wissenschaftlichen Kenntnisse nicht annähernd so ausgeprägt wie heute. Auch Nick Boynton, Stanley Cup-Gewinner mit Chicago, rief mich damals an. Dafür bin ich beiden sehr dankbar. Das Wichtigste, was man jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes vermitteln kann: Lasst euch nicht davon abhalten, das zu tun, was ihr liebt!

Taylor, vielen Dank für das tolle Gespräch mit spannenden Einblicken. Wir wünschen dem Team und Dir eine erfolgreiche Saison.