Aug. 19, 2025 | APP, News

Fan-Talk: Ein schöner Abend mit hohem Unterhaltungswert

Wie im Flug vergangen ist am Montag der gut zweistündige Fan-Talk im VIP-Raum des Colonel-Knight-Stadions. Moderator Christian Berger, der sich einmal mehr in Hochform präsentierte und rund 80 Teufel-Fans brachten in einer gelungenen Mischung aus Information, Spaß und Unterhaltung die ein oder andere Anekdote ans Tageslicht. Neben Trainer Peter Russell standen auch die Profis Justin MacPherson, Davis Koch, Justin Volek, Andrej Bíreš, Jerry Kuhn und Geschäftsführer Andreas Ortwein Rede und Antwort.

Mit jeweils zehn lockeren „Entweder-Oder-Fragen“ startete Christian Berger die einzelnen Gesprächsrunden und brach damit schnell das Eis. In der Rubrik „Wünsch-Dir-Was“ benannten Coach Russell und die EC-Cracks jeweils die Starspieler, die man gerne im eigenen Team erlebt hätte (oder hat). Die Highlights des Abends im Überblick:

Rangers statt Celtic: Im „Old Firm“-Derby in Glasgow drückt Peter Russell den „Light Blues“ die Daumen, mag den Scotch Whisky, aber auch den „wunderbar kühlen“ Gesundheitsgarten am Gradierbau II, den er an einem heißen Sommertag mit der Familie besucht hat. Beim Bad Nauheimer „Elvis-Festival“ am Wochenende sprach Russell mit Menschen aus verschiedensten Ecken der Welt. Die Frage, ob er auch hier sei, um den King of Rock ’n’ Roll zu sehen, beantwortete der Schotte schmunzelnd mit einem klaren „Nein“. Der Profi seiner Wahl bei unbegrenztem Budget wäre Boston-Ikone Brad Marchand, oft als „Pest auf dem Eis“ bezeichnet, der seit März für die Florida Panthers spielt und seinen zweiten Stanley-Cup gewann. Begeistert ist Peter Russell von der positiv-verrückten Atmosphäre im Colonel-Knight-Stadion – besonders in den Halbfinal- und Final-Serien zwischen den Roten Teufeln und seinem Ex-Club Ravensburg. Der frühere Torwart will mit den Rot-Weißen die Playoffs erreichen. Das gelingt, „wenn der Funke zwischen Fans und Mannschaft überspringt.“

Oilers statt Flames: Edmonton vor Calgary. Unser neuer Nummer-eins-Verteidiger Justin MacPherson schätzt Connor McDavid und Leon Draisaitl, am meisten imponiert ihm aber Cale Makar, der herausragende Offensiv-Verteidiger der Colorado Avalanche. Für den 25-jährigen Kanadier ist die Kurstadt die zweite Europa-Station. Während der Corona-Saison spielte er in der Slowakei. „Das war schon ein bisschen crazy. Wir haben nur unser Apartment und das Eisstadion gesehen, alle Geschäfte und Restaurants blieben geschlossen.“ Vor der neuen Herausforderung DEL2 und quasi als direkter Nachfolger seines Freundes Bode Wilde verspürt er keinen Druck, sondern „große Freude, dass sich dieser Spot in Deutschland eröffnet hat.“ Als gutem Skater komme ihm die größere Eisfläche entgegen. „Defensive first, aber es macht natürlich auch viel Spaß, Tore zu erzielen“, sagt MacPherson.

Die deutschen Wurzeln von Davis Koch stammen nicht – wie von Peter Russell schmunzelnd angemerkt – von seinem Schäferhund, den er mit nach Bad Nauheim gebracht hat. Die Oma (aus Düsseldorf) und der Opa (aus Köln) lernten sich einst in Nordamerika kennen und lieben. In Deutschland hat sich der 27-jährige Stürmer auf DEL2-Level in Heilbronn, Landshut, Ravensburg und Krefeld (152 Spiele, 106 Punkte) sowie 30 DEL-Auftritten für den ERC Ingolstadt einen Namen gemacht. „Ein paar Jungs, die ich näher kenne, haben nur Gutes über das Team, die Stadt und die Fans berichtet. Dazu kommt Peter Russell als Trainer. Für mich war die Entscheidung nach Bad Nauheim zu wechseln ganz leicht“, erzählt Koch. Der perfekte Spieler aus seiner persönlichen Sicht: Patrick Kane.

Handkäs’ mit Musik? Ob und wann sich der Oberschwabe Justin Volek an das hessische Traditionsgericht heranwagt, ist noch offen. Den ersten kulinarischen Härtetest hat der DEL-Neuzugang aus Augsburg bestanden. Der erste Schluck Äppelwoi aus der „Born-in-the-Wetterau“-Flasche schmeckte und er korrigierte das vorherige Urteil: „Eindeutig, Apfelwein statt Apfelsaft!“ Im Colonel-Knight-Stadion will der 23 Jahre alte Angreifer „das Back-to-the-Roots-Gefühl wie früher in Lindau erleben, den Scoring Touch wiederfinden und die Karriere in Schwung bringen.“ Voleks Top-Spieler: Leon Draisaitl.

Alte Liebe rostet nicht: Oder wie es Christian Berger abgewandelt formulierte: „Dreimal Nauheimer, immer Nauheimer.“ Andrej Bíreš ist zurück beim EC. Vor drei Jahren wechselte der heute 31-Jährige in die slowakische Heimat nach Banska Bystrica, weil sein Vater erkrankt war. „Zum Glück geht es ihm wieder besser“, berichtet der Angreifer, der sich noch gerne an das Open-Air-Spektakel auf dem Bieberer Berg in Offenbach erinnert. Mit einem der großen Vorbilder stand er schon selbst auf dem Eis. Als Tryout-Spieler der Kölner Haie (2021/22) stürmte er im Training an der Seite von Leon Draisaitl. „Die Top-Jungs aus der NHL – das ist nochmal ein anderes Level“, schwärmt Bíreš.

Oldie but Goldie: Alter schützt vor Leistung nicht. Auf dem Aufwärmtrikot von Jerry Kuhn steht vor seiner 16. Saison im Profibusiness als ältester EC-Akteur: OPA. „Wir wollen die Mentalität im Team verändern. Ich hasse es, zu verlieren“, versprüht der erfahrene Torwart großen Ehrgeiz. Die sportlich erfolgreichste Saison war für ihn das zweite Jahr in Bremerhaven. „Nach dem DEL-Aufstieg hatte uns niemand auf der Rechnung. Das werde ich für immer in Erinnerung behalten. Jeder dachte, dass wir mit Abstand Letzter werden. Wir waren aber stark aufgestellt und besiegten Ingolstadt in den Pre-Playoffs“, erinnert sich der Familienvater gerne an die Zeit an der Nordseeküste. Sein favorisierter „All-Time-Player“: „Da bin ich Old School. Für mich ist es Steve Yzerman von den Detroit Red Wings.“

Die neue Arena? „Das ist existenziell“, sagt Andreas Ortwein. In den nächsten Wochen soll ein Update zum aktuellen Stand in dieser Frage kommuniziert werden. Neuer Geschäftsführer? „Es sind einige interessante Bewerbungen da. Ziel ist es, die Position bis zum Jahreswechsel zu besetzen. Auf Sicht wollen wir auch wieder die Stelle des Sportlichen Leiters besetzen“, ergänzt der Nieder-Weiseler, der sich wünscht, dann (noch) mehr Zeit in die Stadionfrage stecken zu können. „Auf Dauer will ich von 80-Stunden-Wochen wegkommen und mehr freie Zeit fürs Mountainbiken haben, meinen Donnerstag-Stammtisch mit Freunden in Willy’s Pub genießen oder auf das nächste Depeche-Mode-Konzert warten.“