Rote Teufel verlieren furioses Hessenderby mit 4:6 – Bengtsson trifft doppelt
Verrücktes Hessenderby, bitteres Ende. Die Roten Teufel drehten am Freitag bei den Kassel Huskies einen 0:2-Rückstand in eine 4:2-Führung, um am Ende beim 4:6 (0:1, 2:1, 2:4) die Probonio Arena mit leeren Händen zu verlassen. Vor 5044 Zuschauern erzielten der zweifache Torschütze Sebastian Bengtsson (darunter ein Penalty), Justin Volek und Lukas Ribarik in einem furiosen Schlagabtausch die Nauheimer Tore.
„Unser Start war nicht optimal. Dann haben wir eine gute Leistung gezeigt und nicht viel falsch gemacht. Im zweiten Drittel haben wir es gegen starke Huskies fantastisch gemacht. Das sollten wir mitnehmen ins Spiel am Sonntag gegen Freiburg“, sagte EC-Trainer Peter Russell. „Wir haben Charakter bewiesen, nie aufgegeben und sind immer wieder zurückgekommen“, fasste Huskies-Coach Todd Woodcroft die Achterbahnfahrt der Gefühle zusammen.
Bei den Nordhessen rückte der NHL- und KHL-gestählte lettische Nationalspieler Kaspars Daugavins für den Kanadier Mitchell Hoelscher ins Aufgebot, Tim Bender und Laurin Braun fehlten verletzt. Clemens Sager und Manuel Schams gehören zum deutschen U20-WM-Kader. Taylor Vause (überzähliger Kontingent-Profi), Simon Gnyp (überzähliger Ü24-Spieler) sowie die Langzeitverletzten Phlipp Kuhnekath und Patrick Seifert mussten bei den Rot-Weißen passen. Im EC-Tor startete Finn Becker.
Nachdem Becker in der ausgeglichenen Anfangsphase zweimal gegen Daugavins und Becker parierte, gingen die Schlittenhunde mit einem schnell vorgetragenen Angriff in Führung. Ex-Teufel Michael Bartuli verwertete einen Rebound zum 1:0 (8.). Kassel machte Druck (16:9 Schüsse), die Roten Teufel verteidigten kompakt und lauerten auf Konter. Das erste Penaltykilling (17./Strafe Justin Volek) funktionierte. Die beste Chance der Gäste bot sich Sebastian Bengtsson (19.), der nach starkem Pass von Parker Bowles an Philipp Maurer scheiterte.
Früher Nackenschlag im Mittelabschnitt: Nur 90 Sekunden nach Wiederbeginn zappelte der Puck erneut im Nauheimer Netz. Dominic Turgeon verwertete eine Kombination über Tristan Keck und Daugavins zum 2:0 (22.). Eine Einzelaktion von Sebastian Cimmerman, die Schüsse von Christopher Fischer und Volek entschärfte Maurer. Dann verhinderte Becker bei einem Odd-Man-Rush das mögliche 0:3 gegen Keck, auf der anderen Seite verpasste Lukas Ribarik den Anschlusstreffer (29.).
Die Teufel ergriffen mehr und mehr die Initiative. Maurer hielt gegen Bengtsson (33.). Als Davis Koch auf das ECK-Gehäuse zusteuerte, wusste sich Turgeon im allerletzten Moment nur mit einem Foul zu helfen. Die Referees entschieden auf Penalty, den Bengtsson eiskalt zum 1:2 (35.) versenkte. Bad Nauheim blieb dran, drehte das Schussverhältnis um (15:9 zugunsten des EC) und belohnte sich für das couragierte Auftreten. 30 Sekunden vor der Sirene zimmerte Volek die Scheibe zum mittlerweile verdienten 2:2-Zwischenstand in die Maschen.
Doppelpack-Traumstart ins dritte Drittel: Diesmal schockten die Roten Teufel die Einheimischen mit zwei Blitz-Toren binnen 34 Sekunden. Erst fälschte Darren Mieszkowski einen Bengtsson-Pass unglücklich ins eigene Netz ab, kurz darauf jubelte Lukas Ribarik – das 2:4 (42.) war perfekt. Kassel verkürzte in Person von Yannik Valenti zum 3:4 (45.) und kam in Überzahl durch Hunter Garlent (49.) zum Ausgleich, nachdem die Fuldastädter kurzzeitig mit zwei Feldspielern mehr auf dem Eis gestanden hatten.
In der heiß umkämpften Crunchtime lag der Führungstreffer für beide Mannschaften in der Luft. Andrew Bodnarchuk fasste sich in der 57. Minute ein Herz und drehte das Ergebnis zugunsten der Nordhessen. Die Kurstädter warfen noch einmal alles nach vorne und fingen sich den entscheidenden Konter ein. Beckers Abwehrversuch gegen Benson prallte von Julian Lautenschlagers Bein über die Torlinie (59.)
EC Kassel Huskies: Maurer – Schütz, Müller, Bodnarchuk, Stadler, Münzenberger, Wilde – Keck, Turgeon, Daugavins, Benson, Garlent, Mieszkowski, Bartuli, Weidner, Valenti, Rutkowski, Detsch.
Trainer: Todd Woodcroft.
EC Bad Nauheim: Becker – MacPherson, Pruden, Erk, Fischer, Kölsch, Tippmann – Volek, Koch, Hickmott, Bengtsson, Kaiser, Bowles, Ribarik, Bires, Lautenschlager, Jakovlev, El-Sayed, Cimmerman.
Trainer: Peter Russell.
Tore:
1:0 (07:14) Bartuli (Valenti, Schütz)
2:0 (21:30) Turgeon (Keck, Daugavins)
2:1 (34:39) Bengtsson (Penalty)
2:2 (39:30) Volek (Hickmott, Koch)
2:3 (41:03) Bengtsson
2:4 (41:37) Ribarik (Bires, Erk)
3:4 (44:37) Valenti (Wilde, Garlent)
4:4 (48:08) Garlent (Valenti, Wilde – PP1)
5:4 (56:46) Bodnarchuk (Keck, Benson)
6:4 (58:58) Benson
Schiedsrichter: Janssen/Engelmann – Linienrichter: Behrendt/Höfer.
Strafminuten: Kassel 4 plus zehnminütige Disziplinarstrafe (Schütz), Bad Nauheim 10.
Schüsse: 40:39.
Zuschauer: 5044.
Foto: JMD Photographie