März 4, 2026 | APP, News

Ehrlicher Austausch in intensiver Phase – Fan-Talk in Willy’s Pub

Volles Haus, offene Worte und eine Atmosphäre, die zeigte, wie sehr dieser Club bewegt: Beim Fan-Talk in Willy’s Pub kamen am Dienstagabend zahlreiche Anhänger zusammen, um gemeinsam mit Spielern und Verantwortlichen über die aktuelle Situation zu sprechen.

Ab 18:00 Uhr füllte sich die Location, um 19:00 Uhr eröffnete Moderator Christian Berger die Runde und führte strukturiert durch einen Abend, der von Klartext und Zusammenhalt geprägt war.

Auf dem Podium begrüßte Berger:
Kapitän Marc El-Sayed,
Julian Lautenschlager,
Justin Volek,
EC-Markenbotschafter Ralf Pöpel
sowie die beiden Geschäftsführer Christopher Fiori und Andreas Ortwein.

 

„Die Tabelle lügt nicht“

Gleich zu Beginn ging es um das, was viele bewegt: die sportliche Situation. Kapitän Marc El-Sayed wählte dabei klare Worte.

„Die Tabelle lügt nicht“, stellte er nüchtern fest. Nach 50 Spieltagen könne man nicht mehr von Pech sprechen. Natürlich habe es Spiele gegeben, die unter anderen Voraussetzungen vielleicht anders gelaufen wären, „aber die anderen Mannschaften haben auch mal Pech.“ Entscheidend sei, dass es häufig Kleinigkeiten seien, die Partien kippen ließen.

Diese Ehrlichkeit zog sich durch den gesamten Abend. Es ging nicht um Ausreden, sondern um Verantwortung. Die Mannschaft sei intakt, die Kabine funktioniere, betonte El-Sayed. Dennoch stehe nun ein klarer Auftrag im Raum: die Liga zu halten.

 

Stabilität in entscheidenden Momenten

Mit Blick auf die bevorstehenden Playdowns wurde deutlich: Es geht vor allem um mentale Stabilität. „Wir müssen es schaffen, nach Gegentoren, die sicherlich kommen werden, nicht zusammenzubrechen“, erklärte El-Sayed. Schlechte Phasen werde es immer geben – „aber sie dürfen nicht grottenschlecht sein.“

Justin Volek unterstrich, dass der Fokus zunächst voll auf den kommenden Spielen liege: „Wir spielen ganz klar auf Sieg, am Freitag und am Sonntag, um uns eine bestmögliche Ausgangslage zu sichern.“ Danach gelte es, sich geschlossen auf die Playdowns einzuschwören.

Geschäftsführer Christopher Fiori brachte es mit einem prägnanten Bild auf den Punkt: „Wir müssen die Uhr jetzt auf null stellen.“ Es gehe darum, kompetitiv zu sein, sich nicht von Rückschlägen lähmen zu lassen und gemeinsam die richtige Energie zu entwickeln.

Auch Markenbotschafter Ralf Pöpel richtete den Blick nach vorne: Jetzt müsse jeder „herunterfahren wie ein Computer“ und an sich glauben. Der frühere Profi hat in seiner Karriere schon alles erlebt und glaubt an das aktuelle Team in Sachen Klassenerhalt.

 

Selbstvertrauen statt „Schleifer“

Natürlich wurde auch die Ausrichtung unter dem aktuellen Trainer Antti Karhula thematisiert. Andreas Ortwein machte deutlich, dass man bewusst nicht den Weg eines reinen „Schleifers“ gewählt habe. Es gebe Spieler, denen es aktuell an Selbstvertrauen fehle und genau dort müsse angesetzt werden.

Marc El-Sayed sprach von mehr spielerischer Freiheit im Aufbau, von der klaren Vorgabe, mit Scheibe zu agieren und Lösungen zu suchen. „Er gibt uns mehr Freiheit.“ Hilfreich sei zudem, dass der Trainer selbst gespielt habe und „den Menschen hinter dem Spieler“ erreichen wolle.

Julian Lautenschlager ergänzte mit einem Augenzwinkern, dass letztlich nicht die Sprache entscheidend sei: „Ich glaube, die Muttersprache ist nicht das Problem. Die Worte gehen irgendwann sowieso aus.“ Auf dem Eis zähle Klarheit und Umsetzung.

 

Verantwortung im Umgang mit Kritik

Ein besonders emotionaler Teil des Abends drehte sich um die Rolle der Fans. Was macht es mit einer Mannschaft, wenn sie unter Pfiffen in die Kabine geht?

„Es ist natürlich nicht schön und es hilft auch nicht“, sagte Volek offen. Manche könnten es als Motivation nutzen, andere nehme es mehr mit. Gleichzeitig zeigte er Verständnis für Enttäuschung, verbunden mit einem klaren Appell: „Ihr könnt es uns gerne ins Gesicht sagen.“

Auch Andreas Ortwein fand deutliche Worte zur Social-Media-Dynamik: „Es gibt 2.500 Trainer im Stadion – aber auch 20 auf Facebook, die keinen Eintritt zahlen und trotzdem die lautesten sein wollen.“ Spieler und Verantwortliche seien kein Freiwild. Kritik sei legitim, persönliche Angriffe oder ungesicherte Gerüchte hingegen nicht.

Volek ergänzte: „Bevor man etwas ins Internet schreibt, sollte man sich absichern und wirklich gucken, dass die Gerüchte auch stimmen.“ Gleichzeitig betonte Lautenschlager: „Man kann unserer Organisation nicht vorwerfen, nicht alles tun, um den Klassenerhalt zu sichern.“

 

20 Dezibel mehr – Zusammenhalt als Schlüssel

Mit Blick auf die Playdowns richtete sich der Appell deutlich an die Kurve. „Wir brauchen nochmal 20 Dezibel mehr“, forderte Ortwein. Gerade dann, wenn die Mannschaft in Rückstand gerate. Die Energie von den Rängen könne Spiele tragen.

Diese Botschaft verband sich mit einem zentralen Motiv des Abends: Zusammenhalt statt Spaltung. Verantwortung statt Schuldzuweisung.

Marc El-Sayed wurde am Ende noch einmal persönlich. Es sei sein Zuhause, sein Herz schlage für diesen Club wie für keinen anderen. Gleichzeitig habe er überall Verantwortung gespürt und immer alles gegeben. Diese Haltung steht sinnbildlich für den Anspruch der Mannschaft.

Christopher Fiori beschrieb abschließend ein tägliches Ritual: Wenn er morgens ins Büro komme, blicke er auf drei Worte in der Südkurve – „Tradition, Leidenschaft und Stolz“. Genau das müsse man sich jeden Tag vor Augen führen.

 

Ein Abend mit Haltung

Nach rund zwei intensiven Stunden endete der Fan-Talk mit Applaus – nicht, weil alle Sorgen ausgeräumt wären, sondern weil offen gesprochen wurde. Ohne Schönfärberei. Ohne Alarmismus. Mit klarer Haltung.

Die Botschaft des Abends war eindeutig: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Die Organisation steht geschlossen. Die Mannschaft übernimmt Verantwortung. Und die Fans spielen eine entscheidende Rolle.

Jetzt gilt es, die Uhr tatsächlich auf null zu stellen und gemeinsam die kommenden Wochen anzugehen.

Unser Bild zeigt (von links): Julian Lautenschlager, Marc El-Sayed und Justin Volek.

 

Foto: Chuc.de