Sommerinterview mit Dominic Auger: „Schnell und dynamisch spielen, Gewinnerkultur etablieren“
Dominic, herzlich willkommen in Bad Nauheim. Wie groß ist Deine Vorfreude auf die Aufgabe beim EC?
Ich freue mich riesig auf diese spannende Herausforderung. Es ist schön, wieder mit Kevin zusammenzuarbeiten.
Wen hast Du bei Deinem Kurztrip ins Colonel-Knight-Stadion getroffen und welche Eindrücke nimmst Du mit?
Ich habe mit Andreas Ortwein gesprochen und mich unserem Teambetreuer Lars Brauburger vorgestellt. Wir konnten die ersten organisatorischen Dinge klären. Die Stadt haben wir als angenehm, schön und ruhig wahrgenommen. Es ist ein sehr lebenswerter Ort. Man kann sich hier nur wohlfühlen.
Du bist in Montmagny in der kanadischen Provinz Québec aufgewachsen. Wer hat Dich in Teenager-Zeiten am meisten inspiriert?
In Québec ist Eishockey eine Religion. Mich hat Wayne Gretzky fasziniert. Ich habe unzählige Videos von ihm angeschaut. Er war ein Spielmacher, der geniale Pässe spielte und damals oft über Antizipieren und ‚das Spiel lesen können‘ gesprochen hat.
Welcher Teamkollege hat Dich im Laufe Ihrer langen Karriere am meisten beeindruckt?
Schwere Frage. Mein Glück war, dass ich mit vielen außergewöhnlichen Mitspielern in guten Teams mit guten Trainern spielen durfte. Es war schon grandios gemeinsam mit späteren NHL-Cracks wie Simon Gagné oder Daniel Brière aufzulaufen.
Du hast als Profi 18 Jahre lang in Deutschland gespielt. Von der Oberliga ging es bis in die DEL. Wie ist 2001 die Entscheidung gereift, Deine kanadische Heimat zu verlassen?
Mein Coach an der St. Francis Xavier University war Danny Flynn, der später als Assistenztrainer bei den New York Islanders arbeitete. Wir haben über Europa gesprochen. Er meinte, der Spielstil könnte gut zu mir passen. Über Tom Coolen wurden Kontakte geknüpft. Es hat für mich zum Ende meiner College-Zeit genau gepasst. Ich war 24 Jahre jung, bekam mein Flugticket – und ab ging es nach Europa. In Kaufbeuren sind wir gleich in die 2. Liga aufgestiegen.
Die Umstellung verlief also völlig reibungslos?
Nein, ganz so einfach war es nicht. In Nordamerika wurde anders gespielt: ‚North-South-Eishockey‘, Transition, geradlinig, schnell und direkt in Richtung gegnerisches Tor. Das war in der deutschen Oberliga nicht der Fall. Es gab mehr Zeit mit dem Puck, mehr Zeit zum Passen. Aber ich konnte mich umstellen – und am Ende wurde mein Vertrag verlängert.
Wie beschreibst Du Deine besondere Stärke als ehemaliger Verteidiger?
Ich denke, es war in erster Linie meine Passpräzision. Man muss ‚das Spiel lesen‘ und in Bruchteilen von Sekunden die richtigen Entscheidungen treffen.
Welches sportliche Highlight ist am tiefsten in Deinem Gedächtnis verankert?
Die Playoffs 2015 gegen Bremerhaven. Vor dieser Saison wechselte ich von Rosenheim nach Bietigheim, und von Tag eins an wollte ich die Meisterschaft gewinnen. Wir haben es bis ins Finale geschafft. Ich spürte weder Schmerzen noch Müdigkeit. Das war etwas Besonderes und das habe ich in dieser Form auch nicht mehr erlebt. Dazu kam mein Overtime-Siegtreffer in Spiel vier in Bremerhaven – das erste Mal, dass ich ein Tor in einer Verlängerung geschossen habe. Und dann wieder im Spiel 6 beim Gewinn der Meisterschaft.
Im Anschluss an Deine aktive Spielerlaufbahn hast Du in Vollzeit als Buchhalter gearbeitet und bist noch eineZeit lang für den Bayernligisten EHC Königsbrunn aufs Eis gegangen. Wann ist der Wunsch gereift, ins Trainergeschäft einzusteigen?
Nach meinem beruflich bedingten Umzug von Augsburg in die Nähe Berlins bin ich als Nachwuchstrainer beim SCC Adler eingestiegen. Es hat mir Spaß gemacht und ich wollte mehr davon. Irgendwann kam der Anruf von Patric Wener aus Leipzig. Die Möglichkeit in die Oberliga zu gehen, habe ich genutzt. Mein Schwerpunkt lag auf dem Coaching der Verteidiger, der jungen Spieler und dem Powerplay. Ende November hatten wir mit 29 Prozent Erfolgsquote ligaweit das beste Überzahlspiel.
Welche Hauptaufgaben übernimmst Du in Bad Nauheim?
Hauptsächlich werde ich mich um die Verteidiger kümmern. Wir wollen, dass sie schnell und dynamisch sind. Dann ist es auch sehr wichtig, die jüngeren Spieler individuell bei ihrer Entwicklung zu fördern.
Was zeichnet Kevin Gaudet aus?
Er hat die Gewinnermentalität und kann eine gute Mannschaft zusammenstellen. Wir denken ähnlich über Eishockey und wollen eine Gewinnerkultur etablieren.
Wen kennst Du von den EC-Spielern schon näher?
Noch zu wenige. Ich freue mich auf Garret Pruden. Sein Vater Greg war mein Trainer in Schwenningen.
Dominic, vielen Dank für das Gespräch. Wir sehen uns ab August und wünschen dem Team und Dir eine erfolgreiche Saison.
Foto: Chuc.de