Jan. 21, 2026 | APP, News

Ehre, Freude und doppelter Stolz

Es ist 19:46 Uhr. Unsere Zeit. Die beste Zeit, um uns einzustimmen auf einen ganz besonderen Abend im Colonel-Knight-Stadion. Am 25. Januar treffen die Roten Teufel im Traditionsduell auf den ESV Kaufbeuren. Emotionaler Höhepunkt wird die offizielle Aufnahme von zwei Bad Nauheimer Kultspielern in die Hall of Fame sein. Die Trikotbanner mit der Nummer 7 für Thomas Barczikowski und der Nummer 11 für Steffen Michel werden dann in einer Reihe mit Rainer Philipp (8), Werner Bachmann (5), Rolf Knihs (13), Ralf Pöpel (28), Doug Murray (44) sowie Trainer-Legende Ladislav Olejnik ihren Platz finden.

Steffen „Fuzzy“ Michel ist mit 668 Einsätzen der EC-Rekordspieler. Sein Vater Jürgen „Eddy“ Michel spielte einst in der Bundesliga für den VfL Bad Nauheim. Sohn Till Michel schreibt die Eishockey-Familienstory in der dritten Generation fort. Vor dem „80-Jahre-Spiel“ am Sonntag haben wir mit dem langjährigen Verteidiger und Publikumsliebling gesprochen.

Steffen, welche Gedanken sind durch Deinen Kopf geschossen, als Du von der Aufnahme in die Bad Nauheimer Hall of Fame erfahren hast?

Steffen Michel: Es ist eine sehr große Ehre. Man verspürt Freude und doppelten Stolz, denn es ist ja gewissermaßen auch eine Auszeichnung für meinen Vater, dessen sportliches Erbe ich antreten durfte. Da ist diese familiäre Verbindung, denn mein Vater hat mich im Nachwuchs trainiert und trug die Rückennummer 11 in fast 500 Bundesliga-Spielen. Wenn man die Namen der anderen Hall of Fame-Mitglieder sieht, schaut man mit Respekt und Demut nach oben.

Welcher besondere EC-Moment ist besonders fest in Deinem Gedächtnis verankert?

Michel: Gut, es gibt nicht die eine Sache, die alles überragt, sondern mehrere Bausteine. Dass ich mich als 17-Jähriger an der Seite von Jerzy Potz gleich als fester Zweitligaspieler etablieren konnte, war schon bewegend. Man denkt an das sportliche Auf und Ab in Bad Nauheim mit wahnsinnig vielen Episoden. Die Finalserie gegen Essen wird wahrscheinlich keiner jemals vergessen: Fünftes Spiel am Westbahnhof, Overtime, Penaltyschießen, 0:1 verloren. Nach hartem Kampf hat uns Peter Draisaitl doch besiegt.

Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Profispiel im rot-weißen Trikot?

Michel: Vage, aber ich würde definitiv lügen, wenn ich sagen würde, ich kann noch das genaue Datum und den Gegner nennen.

Welches EC-Spiel bezeichnest Du als dein persönliches Highlight?

Michel: Wie gesagt, das Finale in Essen zählt sicherlich dazu. Aber persönliche Highlights sind im Mannschaftssport schwer darzustellen. Das Team kommt immer zuerst. Wenn es gut läuft, ist alles einfacher. Wir hatten auch schwierige Situationen, in denen wir nach irgendwelchen Konkursen mit ein paar Einheimischen vor kleinerer Kulisse spielten und Kanonenfutter waren. Das vergisst man nicht. Genauso wie die vielen tollen Momente nach Siegen, die wunderbaren Sonderzug-Fahrten oder andere Erlebnisse, über die man heute noch spricht.

Dein größter Erfolg mit den Roten Teufeln?

Michel: Leider wurden wir „nur“ Vizemeister, aber ein Finaleinzug ist schon besonders. Wir haben den DEL-Aufstieg hauchdünn verpasst. Ob das Abenteuer Erste Liga gut gegangen wäre, ist eine andere Frage.

Dein größter Erfolg bei Deinen anderen Stationen?

Michel: Die zwei DEL-Jahre in Mannheim waren schon prägend. Ich kam damals zu einem kriselnden Club. Dann ist praktisch über Nacht „Promarkt“ als Sponsor eingestiegen und wir hatten eine super Mischung aus jüngeren Spielern wie Jochen Hecht oder Sven Valenti und erfahrenen Profis wie Harold Kreis, Pavel Gross oder „Bibi“ Appel. Die Zweitliga-Meisterschaft mit Bremerhaven bleibt natürlich auch im Kopf, auch wenn wir aus finanziellen Gründen nicht aufsteigen durften. Das andere Auswärtsjahr in Bietigheim war ebenfalls kein schlechtes.

Du hast 13 Jahre für den EC gespielt. Welche Phase war die schönste?

Michel: Ich möchte keine Saison missen. Zu Hause fühlt man sich am wohlsten und ich habe immer das besondere Flair unseres Stadions genossen – auch wenn manche das bestimmt anders sehen.

Was zeichnet die EC-Fans aus?

Michel: Ob im Erfolg oder in der Misere. Der überwiegende Teil der Fans stand und steht hinter der Mannschaft. Als Spieler habe ich versucht, Leidenschaft und Kampfgeist aufs Eis zu bringen. Es gibt in der rot-weißen Familie eine über Jahrzehnte gewachsene Verbundenheit mit den Roten Teufeln.

Wie hast Du in Mannheim die späteren Idole Jochen Hecht und Harold Kreis als Teamkollegen erlebt?

Michel: Ich bin im Alter von 22 Jahren zu den Adlern gekommen. Da war Jochen erst 17 und bereits ein Ausnahmekönner, der auf Anhieb performte. Man hat sein Potenzial früh gesehen. Demgegenüber standen erfahrene Profis wie Harry, der in zahlreichen Länderspielen auf dem Eis stand. Er hat jeden Schuss geblockt. Ein absolutes Vorbild und später mein Trainer in Bad Nauheim.

Mit welchen ehemaligen Mitspielern stehst Du noch in regelmäßiger Verbindung?

Michel: Eher diejenigen, die noch hier vor Ort sind. Als ich noch in der Nachwuchsarbeit tätig war, traf man unregelmäßig ehemalige Mit- oder Gegenspieler und deren Söhne. Alexander Serikow oder Markus Eberl beispielsweise. Das fühlte sich meistens an wie ein kleines Familientreffen.

Zu Deiner Geschichte gehört auch, dass nach der aktiven Karriere die Beziehung zwischen dem EC und seinem Rekordspieler abkühlte. Wie sehr hat Dich das damals gewurmt

Michel: Das war ein großer Schlag für mich, enttäuschend, frustrierend. Um es abzukürzen: Es gab Diskrepanzen mit Personen, die seinerzeit am Ruder waren. Es fehlte eine gewisse Art der Wertschätzung. Das tat weh. Mein Dank geht an Dag Heydecker und Oli Wohlers, die die Wogen geglättet und alles wieder auf einen guten Weg gebracht haben.

Seit 2022 fungierst Du als EC-Markenbotschafter. Wie nimmst Du diese Aufgabe wahr?

Michel: Man führt viele Gespräche. Ich versuche den Club so zu repräsentieren, wie es ihm gebührt. Der EC ist ein wichtiges Aushängeschild für die Stadt, für die ganze Region.

Wen nominierst Du für Deine persönliche „Fuzzy-All-Time-Starting-6“?

Michel: Das ist schwer und fast unmöglich, eine gerechte Auswahl zu treffen. Okay, wenn nur sechs Plätze zu besetzen sind, wähle ich folgende Aufstellung:

„Bibi“ Appel

Jerzy Potz          Steffen Michel

Ralf Pöpel        Walt Poddubny    Thomas Barczikowski

Trainer: Harold Kreis

Ein Porträt zu „Fuzzy“ findet Ihr in der aktuellen Ausgabe 8 unseres Stadionmagazins ECNews, das an den Losständen des Teufelskreises gegen eine Spende von mindestens 2 Euro erhältlich ist.

Tickets sind online erhältlich, vor Ort in der Geschäftsstelle oder per E-Mail an info@ec-bn.de

Fotomontage: Chuc.de/Archiv