Aug. 26, 2026 | APP, News

„Gude!“: Unterhaltsamer Fan-Talk im CKS

„Gude!“ Kevin Gaudet begrüßte Christian Berger auf hessisch. Den weiteren Crashkurs mit „Ei Gude“ und „Ei Gude, wie?“ blockte der deutsch-kanadische Trainer des EC Bad Nauheim (vorerst) ab: „Es bleibt bei Gude!“ Rund drei Stunden lang hatten rund 100 Fans der Roten Teufel am Dienstagabend die Gelegenheit, das neue Team zu beschnuppern. Dem öffentlichen Eistraining folgte ein unterhaltsamer Fan-Talk – diesmal auf der Tribüne des Colonel-Knight-Stadions, um größtmögliche Barrierefreiheit zu bieten.

Bei Pizza-Häppchen beantworteten neben Gaudet auch Geschäftsführer Christopher Fiori, Assistenzcoach Dominic Auger und die EC-Profis Dominik Tiffels, Julian Kornelli, Matt Marcinew sowie Allan McPherson die Fragen aus dem Publikum und von Moderator Berger, der – wie gewohnt – eine gelungene Mischung aus Information, Spaß und Unterhaltung servierte. Die Headlines im Überblick:

Klassenerhalt, Kader, Klippen: „160 Tage sind seit unserem letzten Pflichtspiel vergangen. Es wird Zeit, dass es wieder losgeht“, leitete Christopher Fiori seinen kurzen Rück- und Ausblick ein. Zwei Trainerwechsel binnen zwei Monaten, Krisenmanagement, Klassenerhalt in den Playdowns – für den Geschäftsführer hätte die neue Aufgabe am Kurpark nicht turbulenter starten können. Fiori ging auf Themen wie Lizenzierung, wirtschaftliche Herausforderungen, Sonderzug-Planungen, Sponsoren-Akquise und die aus Sicht des Clubs erforderlichen moderaten Preiserhöhungen bei Dauerkarten und beim Catering ein. Er lobte die Kaderplanung, die Gaudet in enger Abstimmung mit Daniel Heinrizi vorangetrieben hatte. Auch unvorhergesehene Klippen wie das Ende der Kooperation mit den Löwen Frankfurt oder der Personalie Davis Koch „wurden von Kevin und Daniel mit großer Ruhe gemeistert.“ Für den Wechsel von Getränkepartner Born in the Wetterau zur Kelterei Heil nannte Fiori wirtschaftliche Gründe. Zum möglichen deutschen Pass für Torjäger Jordan Hickmott sagte der Geschäftsführer: „Er hat den Sprachtest bestanden, jetzt folgt ein Loyalitätsgespräch, dann mahlen die Mühlen der Bürokratie.“   

„Gude!“ Als „Hessen-Kanadier“ präsentierte sich ein gut gelaunter Kevin Gaudet. „Ich hasse es, zu verlieren. Es braucht harte Arbeit. In jedem Spiel zu kämpfen, ist eine Kunst“, beantwortete der 65-Jährige die Frage nach seiner spezifischen „Eishockey-DNA“. Der dreifache DEL2-Champion schöpft aus einem riesigen Erfahrungsfundus: „Unsere Spieler sollen Kämpfer sein, Charakter zeigen und müssen natürlich auch Eishockey können. Mein erster Eindruck vom Team: Menschlich hervorragend!“ Gaudet hat in über 30 Jahren rund 800-mal in der Zweiten Liga gecoacht und gilt als Meistermacher. In Bad Nauheim sind die Voraussetzungen anders: „Andreas Ortwein sagte mir, wir liegen im Etat-Vergleich zwischen Platz acht und zwölf. Wir wollen eine neue Mannschaft formieren und unter die ersten Zehn kommen.“

Junge Spieler entwickeln: Dominic Auger ist der neue Co-Trainer von Kevin Gaudet. In Bietigheim feierten beide gemeinsam zwei DEL2-Titel. „Hauptsächlich werde ich mich um die Verteidiger kümmern und die jüngeren Spieler individuell bei ihrer Entwicklung unterstützen“, beschreibt der 49-Jährige die Schwerpunkte am neuen Arbeitsplatz. „Meine Partnerin und ich fühlen uns hier sehr wohl“, sagte der einstige Offensiv-Defender, der zuletzt als Assistenztrainer beim Oberligisten IceFighters Leipzig unter Vertrag stand.

Ruhig, solide, flexibel: In der Oberliga-Meistersaison 2012/13 absolvierte Dominik Tiffels als Förderlizenzspieler der Jungadler Mannheim drei Partien für die Roten Teufel. Jetzt kehrt der zweifache Nationalspieler zurück an den Großen Teich. „Am Stadion hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Ich bin froh, nicht mehr in der Gästekabine zu sein“, meinte der Neuzugang von den Starbulls Rosenheim, der sich als ruhig, solide und flexibel beschrieb. „Wie Kevin Gaudet die Reihen aufstellt, wird man sehen. Ich habe vieles schon gemacht, kann mit Jüngeren und Erfahrenen zusammenspielen.“

„Deutscher & Bayer“: So bezeichnet sich Julian Kornelli selbst. Der gebürtige Münchener verfügt zwar auch über den österreichischen Pass (seine Mutter stammt aus der Alpenrepublik), ist aber in Bad Tölz aufgewachsen. Bad Nauheim ist der nördlichste Club, für den er bislang aufgelaufen sei. „Ich will Verantwortung übernehmen. Das hatte ich letztes Jahr so nicht und bin bereit für etwas Neues“, lautete ein Statement unseres Stürmer-Neuzugangs vom EV Landshut.

Cold & foggy: „Unser Stadion ist ein Unikat, hat Charakter. Wenn es kalt und neblig ist, wird es schwer für die Gegner“, äußerte sich Matt Marcinew. Der Ex-Krefelder stürmte in der vergangenen Saison für die Nottingham Panthers in der britischen Liga. Den 32-jährigen Kanadier stört die hohe Erwartungshaltung an einen Kontingent-Profi nicht. „Ich liebe es, verspüre keinen Druck. Im Gegenteil, es ist ein Privileg, den Druck zu haben. Je größer, je wichtiger die Spiele werden – umso besser“, gibt sich der Mann aus Calgary hochmotiviert. Von Christian Berger auf sein erstes kulturelles Highlight in Europa angesprochen, antwortete Marcinew: „Das erste Schnitzel.“

„35 – nur eine Zahl!“: Mehr Europa-Erfahrung kann Allan McPherson vorweisen. Allerdings feiert der Linksschütze erst verspätet sein DEL2-Debüt. Mit HKM Zvolen gewann McPherson den slowakischen Meistertitel (2021). Bei den Hannover Scorpions blieb dem 35-jährigen Angreifer in den letzten vier Jahren der Sprung in Deutschlands Zweite Liga verwehrt. „Das Alter ist für mich nur eine Zahl. Es ist wichtig, dass man fit bleibt und sich in seiner Umgebung wohlfühlt, um die Leistung kontinuierlich abzurufen.“ Auch beim Zugang aus Niedersachsen stehen die Chancen nicht schlecht, mittelfristig einen deutschen Pass zu erhalten.

Foto: Chuc.de