„Ich bin echt stolz auf ihn!“ – Deutschtrainer Stefan Iser im Interview
Auf dem Eis zählen für Jordan Hickmott Einsatz, Disziplin und Durchhaltevermögen. Doch unser kanadischer Stürmer hat diese Eigenschaften auch abseits des Eishockeys eindrucksvoll unter Beweis gestellt: In wenigen Monaten hat er seine Deutschkenntnisse von A2 auf B1 ausgebaut und die entsprechende Prüfung bestanden. Wie das mit einem individuell abgestimmten Lernkonzept, viel Eigeninitiative und zusätzlichem Einsatz möglich war, erzählt sein Sprachlehrer Stefan Iser im Interview.
Jordan hat mit einem Sprachlernkonzept aus 25 Einzelstunden die komplette B1 gemacht und am Ende die Prüfung bestanden. Ist das nicht etwas wenig?
Nein. Ich muss sogar korrigieren. Er hatte zusätzlich zur Halbzeit noch 10 Tage in einem größeren Gruppenkurs gelernt, also insgesamt waren es dann doch ein paar Stunden mehr. Allerdings stand er am Anfang von A2, als ich mit ihm im Februar das Einstufungsassessment machte. Im Prinzip hat er sogar zwei Niveaustufen in dieser Zeit durchlaufen.
Wie ist das möglich in so kurzer Zeit?
Wir haben für solche Fälle ein Programm, das nennt sich A2B. In diesem Programm haben besonders fleißige Schüler die Möglichkeit A2- und B1-Kenntnisse gleichzeitig zu erwerben. Die „Normallerner“ legen am Ende eine A2-Prüfung ab und wer den Turbo einlegt, schafft am Ende sogar die B1. Das war bei Jordan der Fall.
Gibt es viele solcher „Turbo-Lerner“? Oder war Jordan eher eine Ausnahme?
Sagen wir so: wer gewisse Voraussetzungen mitbringt, schafft das. Dazu gehören Fleiß, Ausdauer, Disziplin und Motivation. Ich hatte auch Taylor Vause unterrichtet, der Stand am Anfang von B1 und hatte nach 20 Einzelstunden die Prüfung abgelegt.
Dann scheint ja das schnelle Lernen also eine Spezialität von Eishockeyspielern zu sein?
Ich habe mit den Jungs eine sehr interessante Erfahrung gemacht. Die oben genannten Voraussetzungen spielen auch im Profisport eine bedeutende Rolle. Die übertragen ihr Mindset einfach aufs Deutschlernen. Hinzu kam bei beiden noch die persönliche Motivation: Beide haben hier ihre Familien gegründet. Also wird sie der deutschsprachige Alltag noch viele Jahre begleiten.
Haben Sie mit anderen Berufsgruppen ähnliche Erfahrungen gemacht?
Ich bin spezialisiert auf Expats. Das sind meist temporär hier arbeitende hochqualifizierte Fachkräfte in Banken, internationalen Anwaltskanzleien, Ingenieurbüros, etc. Was alle diese gemeinsam haben: Sie haben einen akademischen Abschluss, sprechen fließend Englisch und sind in ihrem Berufsleben erfolgreich. Sie kennen die permanente Herausforderung; und alle haben sie eines nicht: nämlich Zeit.
Und was bedeutet das fürs Sprachtraining, wenn jemand eigentlich gar keine Zeit dafür hat?
Solche Lerner brauchen andere Konzepte. Die kannst du nicht einfach mal ein halbes Jahr in einen Gruppenkurs schicken. Ihre Arbeitgeber entbehren sie nur äußerst ungern. Für solche Lerner hat sich in den letzten Jahren das Konzept 1×60 Minuten pro Woche sehr bewährt. Seit Corona läuft vieles online und 60 Minuten hat sich für die durchschnittliche Konzentrationskurve eines Lerners als idealer Time-Slot herausgestellt.
Aber lernen die da was? 60 Minuten sind nicht viel Zeit.
Es geht mehr darum, die wenige Zeit beim Lehrer optimal zu nutzen. Wer zusätzlich Zeit zu Hause investiert, kann das Ergebnis potenzieren. Und Jordan und Taylor hatten etwas mehr Zeit: sie hatten 2×60 Minuten pro Woche und haben viel Zeit in Hausaufgaben investiert. Zusätzlich haben sie sich Online-Aufgaben im Internet gewidmet und zu Hause gesprochen. Ich kann jetzt nur schätzen: neben dem Unterricht haben sie sich weitere 5-6 Stunden pro Woche mit der deutschen Sprache in unterschiedlicher Art und Weise beschäftigt. Vielleicht kann Jordan das so bestätigen.
Und wann war der richtige Moment Jordan die Prüfung machen zu lassen?
Haha! Das war eigentlich ganz lustig. Jordan hatte sich einfach ohne mein Wissen angemeldet und die Prüfung gemacht. Ich bin als Sprachlehrer immer etwas vorsichtiger. Eigentlich sollte Jordan 40 Stunden bei mir lernen und i.d.R. lasse ich meine Schüler erst einmal vier Modelltests mit 80% bestehen, bevor ich sie in eine Prüfung schicke. Nach 25 Stunden fragte Andreas Ortwein, ob er die restlichen Stunden überhaupt noch bräuchte und ich sagte „ja“. Zwei Tage später enthüllte mir Jordan, dass er die Prüfung gemacht hätte und sie sei gar nicht so schwer gewesen. Ortwein wusste bereits davon, aber ich nicht. Das war eine Riesenüberraschung, aber es hat mich auch riesig gefreut, weil es mein Konzept letztendlich, sagen wir „überbestätigte“. Ich bin echt stolz auf ihn!
Vieles geht heutzutage online. Auch Sprachunterricht. Hat das denn auch Nachteile?
Ab einer gewissen Gruppengröße würde ich immer Präsenzunterricht oder mal mindestens ein Hybridmodell empfehlen. Das erlaubt auf haptischer und persönlicher Ebene einfach vielfältige Möglichkeiten, die sich online nie abbilden lassen werden. Für Minigruppen oder einzelne Teilnehmer hat der Onlineunterricht jedoch auch seine Vorzüge. Kurze Time-Slots sind möglich, digitale Mitschriften stehen in Echtzeit zur Verfügung, Unterrichtsmaterialien lassen sich effizienter organisieren. Viele erkennen diese Vorteile sehr schnell. Es sind aber auch nicht wenige, die nach 8 Stunden Bildschirmzeit nicht auch noch den Sprachkurs am Bildschirm haben wollen.
Kannst du nochmal kurz zusammenfassen, welchen Lerntypen du so ein Einzeltraining empfehlen würdest?
Wer die bereits genannten Voraussetzungen mitbringt und seine Zeit möglichst effizient nutzen möchte, ist in so einem Einzeltraining sehr gut aufgehoben. Und auch wenn die Kosten pro Stunde pro Teilnehmer höher sind als im Gruppentraining, so spart man am Ende doch sehr viel Zeit. Und für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nur wenige Stunden entbehren können, ist gesparte Zeit auch gleichzeitig gespartes Geld.
Ich berate die Unternehmen kostenlos und unverbindlich. Ich ermittele ihren Bedarf und mache dann konkrete Vorschläge, wie ein sinnvolles Unterrichtskonzept aussehen könnte.
Vielen Dank für das Interview!
Sehr gerne!
Stefan Iser ist Deutschtrainer und Geschäftsführer der ISEU – Language for Business GmbH und unterrichtete in den vergangenen Monaten die Profi-Spieler Jordan Hickmott und Taylor Vause.
Unser Foto zeigt Stefan Iser zusammen mit Jordan Hickmott, der zurzeit aufgrund einer Oberarmverletzung pausieren muss.
Foto: EC Bad Nauheim