Andreas Ortwein: „Wir sind ein besonderer Verein“

Das Jahr 2021 ist vorüber. Wie lautet Dein Fazit im Rückblick?
 

Es war ein aufregendes, ein schwieriges, aber auch schönes Jahr. Aufregend, weil Corona unser Leben entscheidend verändert hat. Wir mussten uns in allen Bereichen auf diesen Virus einstellen, auch der Sport, und eben auch die DEL2. Schwierig, da wir immer wieder neu planen mussten. Hygienekonzepte, PCR-Tests, Spiele mit Zuschauer, Spiele ohne Zuschauer, Spiele mit Kapazitätsbegrenzungen, Absagen, Neuansetzungen. Schön, weil wir einmal mehr gesehen haben, wie enorm der Zusammenhalt in der Familie des EC ist. Ich sage bewusst Familie, denn der EC Bad Nauheim schöpft seine Kraft und seine Energie aus dem Miteinander einer großen Fan-Gemeinde. Das zeigt sich in solchen Krisensituationen. Wir sind ein besonderer Verein.

Wie sind wir wirtschaftlich aufgestellt?

Diese Frage wird uns natürlich oft gestellt. Aber wir können die besorgten Fans beruhigen: Wir sind solide aufgestellt. Wir haben schon vor Corona vernünftig gewirtschaftet. Natürlich mussten wir wie viele Unternehmen auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken. Aber, und das ist wichtig und da sind wir unserer sozialen Verantwortung auch gerecht geworden, wir haben niemanden entlassen. Wir haben die finanziellen Hilfen der Politik beantragt und auch bekommen. Wir danken aber an dieser Stelle auch den zahlreichen Fans, die auf eine Rückerstattung der Dauerkarte generös verzichtet haben. Viele haben auch einfach gespendet, das war schon bemerkenswert. Zudem haben wir auch mit unseren Partnern und Sponsoren individuelle Lösungen erarbeitet, so dass wir gemeinsam diese letzte Saison ohne Zuschauer überstanden haben. Unterstützt wurden wir auch von unseren Gesellschaftern, die in ihren Ausschüssen wertvolle Arbeit leisten. Und unter dem Strich waren wir somit auch in der Lage, einen Etat von 2,7 Millionen Euro zu stemmen.

Blicken wir nach vorne. Mit Tim Talhoff wurde ein zweiter Geschäftsführer neben Dir installiert. Diese Erweiterung der Geschäftsführung deutet auf eine weitere Professionalisierung hin.

So ist das. Tim kennt den EC Bad Nauheim aus dem Effeff. Er hat ja vier Jahre lang hier in den verschiedenen Bereichen unseres Vereins gearbeitet. Wir haben seinen Werdegang stets verfolgt und sind überzeugt, dass er als Teamplayer zu uns passt. Tim wird direkt ab Januar einige Aufgabenfelder im kaufmännischen Bereich von mir übernehmen und mich somit in meinen bisherigen Aufgabenfeldern entlasten. Ich möchte mich ab 2022 mehr auf das Konzept und das Projekt „Stadion“ konzentrieren, um hier meinen Beitrag zu leisten, den  Erhalt des Eishockeysports in Bad Nauheim langfristig zu sichern.

Du bist der wahrscheinlich dienstälteste Funktionär in der DEL2. Wie hat sich die Liga in den letzten Jahren aus Deiner Sicht entwickelt?

Die positiven Aspekte überwiegen ganz klar. Die ESBG leistet unter der Federführung von René Rudorisch glänzende Arbeit. Schauen wir uns als Beispiel SpradeTV an. Die Übertragungen werden immer besser, alle Vereine arbeiten an Details, um dem Fan auch vor dem TV Qualität zu bieten. Oder die Regeländerungen generell. Das Spiel ist ja viel schneller geworden. Die Kommunikation zwischen den Schiedsrichtern und den Trainern im Spiel ist ruhig und sachlich. Ich finde auch, dass der Videobeweis im Eishockey prima funktioniert. Die Entscheidungen werden schnell und vor Ort getroffen. Die DEL2 hat sich enorm entwickelt und wir sind in vielen Punkten nicht mehr weit weg von der DEL. Wir haben aufgeholt.

Wie beurteilst Du die sportliche Darbietung unserer Mannschaft in dieser Saison?

Zweifellos spielt diese Mannschaft das Eishockey, das die Fans in Bad Nauheim so sehr lieben. Einsatz, Leidenschaft, Kampf – das sind die Attribute. Da kann auch mal ein Spiel verloren gehen, wenn gekämpft und gerackert wird. Diese Mannschaft macht mit den Trainern großen Spaß. Es war überragend, als die Fans noch lange nach dem verlorenen Derby gegen Frankfurt im Stadion geblieben sind und die Mannschaft lautstark gefeiert haben. Das war Gänsehaut pur. Auch, wie sich das Team und der Staff in der Öffentlichkeit präsentieren. Das ist vorbildlich und passt ins Bild der EC-Familie.

Danke für das Gespräch, Andreas.